Möglicher Hoax: Britische Jugend nimmt um die Wette Schmerzmittel

2. Juni 2015, 11:51
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Polizei und Schulen warnen vor dem Social-Media-Trend. "Es ist der schlimmste Schmerz, den ich je verspürt habe. Macht es nicht!", schreibt ein Betroffener

Ein scheinbar gefährlicher neuer Social-Media-Trend hat sich in Teilen Großbritanniens via Facebook und Twitter ausgebreitet: Das "Wettessen" des Schmerzmittels Paracetamol. Nicht wegen tatsächlicher Schmerzen, sondern aus reinem Leichtsinn. Ein Bursche aus dem schottischen Ayrshire wurde wegen einer Überdosis ins Spital eingeliefert, wie der britische "Guardian" berichtet.

Über Medikamente sprechen

"Wir haben von der #paracetamolchallenge gehört. Macht da nicht mit! Das verursacht Leber- und Nierenversagen und führt zum Tod", schrieb die Polizei nach dem Vorfall auf Twitter. Einige Schulen haben bereits an Familien geschrieben, um sie vor dieser neuen Art der "Mutprobe" zu warnen. "Wir appellieren an alle Eltern, mit ihren Kindern über die Gefahren von Medikamenten zu sprechen", sagt ein Schulvertreter.

Mittlerweile ist der scheinbare Hype abgeflaut, auch dank vieler Tweets, die dazu aufrufen, nicht an der Paracetamol-Challenge teilzunehmen. "Meine Schwester ist an einer zu hohen Dosis gestorben – Leute, macht das nicht", schrieb ein User. Ein anderer: "Ich bin 18 und habe einen Leberschaden von Paracetamol-Überdosierungen. Es ist der schlimmste Schmerz, den ich je verspürt habe. Macht es nicht!"

Hilfe suchen

Mandy Yousaf, eine Mutter, deren Tochter eine Überdosis Paracetamol zu sich nahm (Grund war allerdings nicht eine Mutprobe, sondern eine Trennung; Anm.) und daran verstarb, rief dazu auf, sich im Fall einer Überdosierung sofort Hilfe im Spital zu suchen. "Nicht zu wissen, was man da tut, ist in Kombination mit dem Gruppendruck eine gefährliche Mischung. Wir müssen nicht nur Kinder, sondern auch Eltern und Lehrer darüber informieren", so Yousaf.

Paracetamol ist eines der am weitesten verbreiteten Schmerzmittel überhaupt und für wenige Euro und rezeptfrei erhältlich – in Österreich etwa unter dem Handelsnamen Mexalen oder Mexa-Vit C. In den empfohlenen Dosierungen weitestgehend harmlos, kann der Wirkstoff in großen Mengen zu ernsten Nebenwirkungen führen, etwa einer Gelbfärbung der Haut, Unterzuckerung und, in extremen Fällen, zu tödlichem Leber- und Nierenversagen.

Fake-Hype

Der Verein Mimikama zur Aufklärung über Internetmissbrauch spricht hingegen von einem Hype, der keiner sei. Laut dem Verein ist selbst die schottische Polizei, welche die ursprüngliche Warnung herausgegeben hat, bereits zurückgerudert und warnt mittlerweile nur noch vor generellem Medikamentenmissbrauch. (fbay, 2.6.2015)

  • Paracetamol ist üblicherweise harmlos, kann aber in extremen Dosierungen zu Leber- und Nierenversagen führen.
    foto: kirsty wigglesworth/ap/dapd

    Paracetamol ist üblicherweise harmlos, kann aber in extremen Dosierungen zu Leber- und Nierenversagen führen.

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