Wahlumfragen: Mit Ungenauigkeit umgehen lernen

Analyse1. Juni 2015, 11:59
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Umfragen vor und bei Wahlen sind nicht immer präzise. Wir müssen die Abweichungen verstehen und kommunizieren

Wir müssen lernen, Schwankungsbreiten zu verstehen und zu kommunizieren. Aufmerksamen Verfolgern der gestrigen Wahlberichterstattung sind wahrscheinlich die starken Schwankungen zwischen den zwei für die Steiermark angefertigten demografischen Umfragen aufgefallen.

Sowohl das Sora als auch Peter Hajek haben im Auftrag von ORF beziehungsweise ATV Umfragen durchgeführt. Sie befragten jeweils 1.200 und 1.000 Wähler auf Dinge wie Bildungsabschluss, ihre Bewertung der Reformen, Zukunftsaussichten et cetera. Daraus ergibt sich für die Vorhersagen eine Schwankungsbreite von 2,8 bis 3,1 Prozent.

Nicht alle Ergebnisse sind direkt vergleichbar, da beide verschiedene Kategorien verwenden, unter den vergleichbaren sind zum Beispiel die Wähler unter 30 Jahren. Beim Sora schneidet die FPÖ mit 25 Prozent in dieser Gruppe schlechter ab als bei der Umfrage von Peter Hajek, in der sie 31 Prozent erreicht. Eine Differenz von 6 Prozentpunkten. Allerdings hat zum Beispiel Sora nur 196 Menschen in dieser Gruppe befragt. Dementsprechend liegen hier die Schwankungsbreiten um einiges höher.

Eine gängige Antwort ist, auf solche Umfragen zu schauen und sie aufgrund solcher Differenzen als Unsinn oder Kaffeesatzleserei abzutun. Dem entgegenzuhalten ist, dass auch die Bewertung von Umfragen zur Medienkompetenz gehört. Sowohl Journalisten als auch Leser sollten mit der Ungenauigkeit von Umfragen leben lernen.

Wenn Sie also das nächste mal eine Wahlumfrage präsentiert bekommen, fragen Sie sich: Wie hoch ist die Schwankungsbreite? Was wir als Journalisten lernen müssen, ist, die Schwankungsbreite bei Umfragen mit anzugeben beziehungsweise darzustellen. Manchmal überkommt einen aber auch der Drang, die Ungenauigkeit von Umfragen zu ignorieren und einen knackigeren Titel zu schreiben. (Michael Bauer, 1.6.2015)

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