"Reformpartnerschaft" verlor mehr als Rot-Schwarz je zuvor

1. Juni 2015, 10:49
36 Postings

Auch im Burgenland droht größter SPÖ-ÖVP-Verlust

Wien – Die Regierungspartner SPÖ und ÖVP haben bei der Landtagswahl mit 17,8 Prozentpunkten gemeinsam so viel verloren wie noch nie in der Steiermark. In Salzburg war die rot-schwarze Koalition in der Finanzskandal-Wahl 2013 allerdings noch wesentlich stärker abgestraft worden. Ähnlich hohe rot-schwarze Verluste wie in der Steiermark gab es beim ersten Antreten der Blauen 1949 und in der Ära Haider.

Zwar nicht ganz so groß wie in der Steiermark, aber doch für die Landesverhältnisse auf Rekordniveau, bewegte sich der rot-schwarze Verlust bei der Burgenland-Wahl: 11,8 Prozentpunkte mussten die dortigen Regierungspartner abgeben, das war wesentlich mehr als jemals zuvor. Denn bisher war der größte gemeinsame Verlust 7,4 Punkte im Jahr 1987, als die SPÖ – während des Aufstiegs der Haider-FPÖ – mit Theodor Kery ihre Absolute abgeben musste.

Selten im Doppel verloren

In beiden Bundesländern war es bisher selten, dass sowohl SPÖ als auch ÖVP bei einer Landtagswahl Verluste einfuhren – in Burgenland war es erst das vierte, in der Steiermark erst das dritte Mal der Fall. Meistens gewann die eine Partei dazu, wenn die andere verlor. Wobei die Bewegungen in der Steiermark stärker ausfielen: 1949, beim ersten Antreten der Blauen, verloren SPÖ und ÖVP zusammen 14,3 Punkte, 1991 ebenfalls knapp zweistellig.

Anders als in Salzburg – wo 2013 mehr als 15 Prozent des gemeinsamen Verlustes von 23,10 Punkten auf das Konto der SPÖ gingen – büßte die SPÖ heuer in der Steiermark nur wenig mehr ein als die ÖVP. Damit konnten die steirischen Roten Platz 1 verteidigen. Außerdem profitierten von den rot-schwarzen Verlusten in Salzburg vor allem die Grünen, in der Steiermark die FPÖ.

Gemeinsam weiter auch nach Verlusten

In Salzburg ging die ÖVP auch nicht mehr mit der SPÖ zusammen, sondern mit den Grünen und Team Stronach. In der Steiermark wollen Franz Voves (SPÖ) und Hermann Schützenhöfer (ÖVP) ihre "Reformpartnerschaft" fortsetzen. Auch in Tirol blieben SPÖ und ÖVP 2008 zusammen, nachdem sie gemeinsam 19,8 Prozentpunkte verloren hatten.

Im Bund wurde die – zuvor von der ÖVP aufgekündigte – Große Koalition nach der Wahl 2008 ebenfalls fortgesetzt, obwohl sie mit gemeinsam 14,4 Punkten den größten Einbruch jemals bei einer Nationalratswahlen erlebte, wobei die ÖVP, die damals Neuwahlen ausrief, den deutlich höheren Anteil hatte. (APA, 1.6.2015)

Share if you care.