Russland soll manipulierte Fotos zum MH17-Bericht präsentiert haben

1. Juni 2015, 12:29
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Britische Blogger weisen auf Bearbeitung von Satellitenbildern durch das russische Verteidigungsministerium hin

Die britische Blogging-Plattform Bellingcat rund um den Blogger Eliot Higgins hat mehrere Fotos, die vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlicht wurden und den Nachweis erbringen sollen, dass die ukrainische Luftabwehr für den Abschuss des Fluges MH17 verantwortlich ist, untersucht. Dabei konnte "eindeutig und unzweifelhaft" nachgewiesen werden, dass diese falsch datiert sowie mittels Photoshop verändert wurden, so die Blogger. Besagte Fotos waren in einer Pressekonferenz Ende Juli 2014 präsentiert worden und waren anschließend auch auf der Website des Ministeriums abrufbar.

Buk-Raketenwerfer nicht zu sehen

Das erste von mehreren Bildern, das genauer analysiert wurde, soll laut russischem Verteidigungsministerium der Beweis dafür sein, dass ein Buk-Raketenwerfer sowie drei weitere Fahrzeuge am 17. Juli 2014 nicht mehr auf dem Militärstützpunkt nördlich von Donezk zu sehen waren – und dementsprechend anderweitig im Einsatz gewesen sein müssen.

foto: bellingcat
Ein vom russischem Verteidigungsministerium veröffentlichtes Foto.

Die Metadatenanalyse des Fotos zeigt, dass es vor der Veröffentlichung mit Adobe Photoshop bearbeitet wurde. Da die unterschiedlichen Bildbereiche unterschiedliche Kompressionsstufen (siehe Foto rechts unten) aufweisen, kann davon ausgegangen werden, dass das Foto verändert wurde. In diesem Fall wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit Wolken nachträglich hinzugefügt, mutmaßen die Blogger.

Die überbelichteten Bereiche links oben und rechts unten im Foto weisen ein anderes Fehlerniveau auf als der zentrale Bereich des Fotos.

Ein Vergleich mit Satellitenbildern von Google Earth ergab außerdem, dass das Foto zwischen 1. Juni und 18. Juni 2014 entstand, und nicht wie behauptet erst am 17. Juli 2014 zur Zeit des Absturzes der MH17.

Das entscheidende Foto, das den Beweis erbringen soll, dass der Buk-Raketenwerfer sich nahe des Abschussortes südlich des Dorfes Zaroschinskoe befunden haben soll, wurde ebenfalls im Photoshop bearbeitet. Die Analyse zeigt auch hier, dass die Bildbereiche mit den drei dargestellten Fahrzeugen eine andere Kompressionsstufe und damit ein anderes Fehlerniveau aufweisen.

Die vergrößerten Bildausschnitte, die im linken und rechten unteren Bildteil eingefügt wurden, weisen ein deutlich geringeres Fehlerniveau auf als das restliche gezeigte Satellitenfoto. Eigentlich müsste aber das herangezoomte Objekt ein größeres Fehlerniveau haben, so Bellingcat. Auch dieses Foto muss laut Vergleich mit anderen Satellitenbildern vor dem Tag des Abschusses entstanden sein.

Im Bild rechts wurden die unterschiedlichen Kompressionsstufen identifiziert. Ohne digitale Veränderung wären diese relativ gleich und nicht sichtbar.

Erst am 5. Mai dieses Jahres hatte die russische Zeitung "Novaja Gazeta" einen Untersuchungsbericht russischer Militäringenieure veröffentlicht, der sich auf besagte Fotos des Verteidigungsministeriums stützt und die Urheberschaft wiederum beim ukrainischen Militär sah. Die Bilder, die dafür verwendet wurden, waren neuerlich modifiziert worden, wie die Blogger von Bellingcat ebenfalls aufdecken. (tee, 1.6.2015)

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