Wie Fifa 16 und die Google I/O Frauenhass im Netz offenlegen

Analyse1. Juni 2015, 09:07
256 Postings

Nach Frauenfußball-Ankündigung distanziert sich EA-Manager Peter Moore von Macho-Fans: "Wir sind besser als das"

Kommentaren im Netz sollte gemeinhin nicht zu viel Aufmerksamkeit geliefert werden. Klar, einige der Anmerkungen sind lustig, manche informativ, doch zu oft nutzen Menschen das Internet als Ventil, sich ihren Frust von der Seele zu schreiben. In der Anonymität fallen Hemmungen, Respekt und Sachlichkeit werden über Bord geschmissen. Vor allem, wenn es gegen Frauen geht. Das war vergangene Woche wieder einmal besonders gut zu beobachten. Ein erstes Beispiel dafür lieferte Googles Entwicklerkonferenz I/O, die live auf YouTube gestreamt wurde.

Noch tiefer: Geht immer

Schon als männliche Google-Mitarbeiter über neue Ideen und Projekte referierten, war das Niveau der Diskussion de facto am Boden: Jeder zweite YouTube-Kommentar drehte sich darum, dass Google schlecht sei, oft durch passende Emojis ausgedrückt. Wenn jedoch Frauen die Bühne betraten, veränderte sich der Ton – und verließ sogar den Boden, um unterirdisch zu werden. "Ich frage mich, welche Farbe ihre Unterhosen haben", schreiben die Nutzer. "Sie stöhnt wie ein Schwein, wenn ich sie f****", "Titten Titten Titten" - viele Kommentatoren schrieben auch detailliert darüber, wie sie die Google-Mitarbeiterin vergewaltigen würden, berichtet Wired.

Sexismus in Kommentaren analysierbar

Das US-Magazin plädiert dafür, diese Kommentare zu lesen, da sie wie wenig andere Manifestationen in unserem Alltag zeigen, wie Sexismus funktioniert. Wired fordert, dass IT-Konzerne Frauen noch stärker fördern und ins Rampenlicht stellen sollen, um eine Bewusstseinsänderung herbeizuführen. Zu welchem Widerhall die Integration von Frauen führen kann, zeigte vergangene Woche auch das Fußball-Game Fifa 16. Dessen Macher EA Sports kündigte an, dass erstmals Frauenfußball-Teams spielbar seien.

Macho-Shitstorm

Was folgte: Ein veritabler Macho-Shitstorm überschwemmte das Netz, sodass sich schließlich sogar EA Sports-Chef Peter Moore von den vermeintlichen Fifa-Fans distanzierte. "So traurig, dass frauenfeindliche Kommentare auf unsere Ankündigung folgen. Wir sind besser als das", schrieb Moore auf Twitter.

Verwirrung und Sex

Die Reaktionen ließen sich dabei in mehrere Kategorien einteilen: Manche Nutzer konnten die Entscheidung grundsätzlich nicht nachvollziehen – ohne daran zu denken, dass hunderttausende Frauen weltweit professionell Fußball spielen, und auch die Fifa-Reihe unter Nutzerinnen populär ist. Andere Kommentare bewegten sich auf die sexuelle Ebene, beliebtester und flachster Witz: Dass Fußballerinnen nach dem Match bitte auch Trikots tauschen sollen. Fifa-Chef Sepp Blatter schlug vor einiger Zeit übrigens in eine ähnliche Bresche, als er die tolle Idee hatte, Fußballerinnen sollten Hot Pants tragen, um ihr Spiel attraktiver zu machen.

Populäre Missverständnisse

Tatsächlich basiert eine Mehrheit der Kommentare – abgesehen von simplem Frauenhass – auf Missverständnissen, wie die BBC analysiert. So tauschen Fußballerinnen nach dem Match zwar wirklich ab und zu ihre Trikots, dank Sport-BHs hat das mit einem Striptease aber wenig zu tun. Spielerinnen würden bei wichtigen Matches auch nicht durch ihre Periode beeinflusst werden (ein oft benutztes Argument in den Hasskommentaren), erklärt die Spielerin Sue Smith gegenüber BBC – denn dank der Antibaby-Pille ließe sich das so beeinflussen, dass Terminkollisionen vermieden werden können.

Nur eine Option

Insgesamt bekommt man beim Durchlesen der Kommentare den Eindruck, dass EA angekündigt hätte, nur mehr Frauenfußball zu unterstützen. "Frauen im nächsten Fifa-Spiel, ihr verdammten Feministen, ihr habt alles zerstört", schreibt etwa ein Nutzer auf Twitter. Dabei handelt es sich lediglich um eine Option, die niemand nutzen muss. Männliche Spieler, die mit Frauenfußball nichts am Hut haben wollen, können dieses Feature getrost ignorieren. Frauenfußball-Fans erhalten eine für sie großartige Funktion, manche Spielerinnen fühlen sich besser repräsentiert.

Angst vor der besser spielenden Nutzerin

Vielleicht ist Angst das Hauptmotiv der frauenhassenden Nutzer: Angst, dass Frauen auch bei Google erfolgreich und grandiose Ideen in der IT haben könnte. Und Angst, dass mehr Frauen Fifa zu spielen beginnen – und in so manchen Online-Matches beweisen, dass sie sogar besser als ihr männlicher Gegenpart sind. (Fabian Schmid, 1.6.2015)

  • Frauenfußball: Nur eine Option, die aber für einen Macho-Shitstorm sorgt
    foto: ea

    Frauenfußball: Nur eine Option, die aber für einen Macho-Shitstorm sorgt

Share if you care.