Griechenland: Gespräche mit Geldgebern weiter ohne Ergebnis

31. Mai 2015, 23:05
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Selbstgesteckte Frist wird verfehlt - Tsipras: "Keine Schuld an fehlender Einigung" - Juncker warnt vor Ausscheiden Athens aus der Eurozone

Athen/Brüssel - Die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen internationalen Geldgebern werden nach Angaben von Teilnehmern wohl auch kommende Woche weitergehen. Die von der griechischen Regierung selbst gesteckte Frist einer Einigung am Sonntag werde offenbar verfehlt, hieß es. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker warnte eindringlich vor dem Ausscheiden Griechenlands aus der europäischen Währungsunion.

"Gespräche mit der sogenannten Brüssel-Gruppe werden am Abend fortgesetzt", verlautete am Sonntag aus der griechischen Regierung. Damit ist die früher Troika genannte Gruppe aus Internationalem Währungsfonds (IWF), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission gemeint. Ein griechischer Regierungsvertreter erklärte später, dass Ministerpräsident Alexis Tsipras, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francois Hollande am Sonntag telefoniert hätten. Die drei Politiker seien sich einig gewesen, dass schnell eine Lösung gefunden werden müsse. Die Stimmung bei dem Gespräch sei sehr gut gewesen. Es war die zweite derartige Unterredung innerhalb von vier Tagen.

Tranche

Griechenland muss am 5. Juni eine IWF-Kredittranche bedienen. Deshalb hatte die Regierung in Athen auf eine Einigung vor diesem Datum gesetzt. Der griechische Wirtschaftsminister George Stathakis sagte der italienischen Zeitung "Corriere della Sera", es bestehe keine Gefahr, dass Griechenland die Tranche nicht bedienen könne oder sie auf einen späteren Zeitpunkt im Juni verschieben müsse.

Tsipras leitete am Samstag ein stundenlanges Treffen mit Ministern seiner Regierung, um über die Verhandlungen zu beraten. Die europäischen Partner und der IWF erwarten etwa Reformen in der Arbeitsmarktpolitik und bei den Pensionen. Der französischen Zeitung "Le Monde" sagte der Ministerpräsident laut Internetausgabe am Sonntag, sein Land sei für das Ausbleiben einer Einigung nicht verantwortlich. Vielmehr liege dies "an der Besessenheit von einigen institutionellen Vertretern, die auf unzumutbaren Lösungen bestehen und sich gleichgültig zeigen gegenüber den demokratischen Ergebnissen der jüngsten griechischen Wahlen".

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker warnte eindringlich vor dem Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion (Grexit). "Diese Vorstellung, dass wir dann weniger Sorgen und Zwänge haben, wenn Griechenland den Euro abgibt, teile ich nicht", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). An dem Tag, an dem ein Land aus dem Euro ausscheiden sollte, "würde sich die Idee in den Köpfen festsetzen, dass der Euro eben nicht irreversibel ist", hieß es weiter. (APA, 31.5.2015)

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