Gabalier und Strache: Kraft durch Volksmusik und Mystik

30. Mai 2015, 11:00
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Ein besonderer Schutzmantel ist in den letzten fünf Jahren an Strache nicht aufgefallen

Eines der letztlich erfolglosen Erfolgsrezepte des Magazins "News" - des alten "News", ehe dort Frauen die Chefetage eroberten - bestand einst in der regelmäßigen Nutzung Jörg Haiders als schaurig-schöner Publikumsmagnet auf dem Titelblatt. Die Geschichte im Inneren des Blattes hielt kaum je, was das Gruselcover versprach, was den Interessen von Kärntens Beglücker aber keinen Abbruch tat. Jetzt befindet sich Kärnten in beglücktem und Haider in seraphischem Zustand, weshalb sich die Frage stellt, wie unter den neuen Verhältnissen, auch den innerredaktionellen, mit dem alten Phänomen geschäftsmäßig umzugehen und halbwegs angemessener Personalersatz aufzutreiben wäre.

Ein hoffnungsvoller Anfang war in Nummer 20 gemacht, als auf dem Cover unter dem schlampig gegenderten Titel Helden der Nation noch vor Conchita Wurst Andreas Gabalier als der erfolgreichste Populist seit Jörg Haider angepriesen wurde. Heldinnen der Nation hätte man sich unter dem neuen Redaktionsregime schon erwarten dürfen, und sei es nur wegen des reizvollen Kontrasts zur musikalischen Botschaft des Populisten als Hymnenheuler.

Die leicht verschlüsselte Botschaft des Beitrags, in dem Gabalier nicht nur als Österreichs erfolgreichster Schlagersänger, sondern auch als der Erste, der Einblick in sein Weltbild gibt, gezeigt wurde, sollte offenbar enthüllen, was aus Jörg Haider hätte werden können, hätte er seinen Text von der ordentlichen Beschäftigungspolitik im Dritten Reich als Schlager gesungen. An der Lederhose hat es ja nicht gefehlt. Daher die Frage zum Musensohn: Ist er nicht längst auch der begabteste Populist, den dieses Land seit Jörg Haider hervorgebracht hat? Gelingt es ihm geschickt, Volkes Stimme Klang zu verleihen?

Da muss etwas dran sein, denn kann sich Strache heute auch nicht offen zu Jörg Haider bekennen, so bietet sich in Gabalier ein guter Ersatz. Daher verwundert es wenig, so "News", dass sich FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache bereits mehrfach als Fan des Volksmusikanten outete. Was immer auch Gabalier macht, wie er sich äußert, der Zuspruch von Strache, und sei es nur auf Facebook, ist ihm sicher.

Der Volksmusikant ist aber nicht die einzige Stütze in Straches hartem, dem Volk geweihten Politikerleben. In der "News"-Nummer 21 hat es der oberste Blaue bereits auf das Titelblatt geschafft, wenn auch noch ohne Bild: Der FPÖ-Obmann auf dem Esotrip. Im Blatt wird dann behauptet: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vertraut einer Mystikerin, die Schutz und Hilfe im In- und Ausland anbietet, und einem Schamanen, der ihn zu Fernsehdiskussionen begleitet. Titel: Fragen Sie Frau Tina. Eine Fotomontage zeigt Strache als Wahrsagerin mit Kugel, vor einem Besen, der nur darauf wartet, von ihm Richtung Blocksberg geritten zu werden. Strache wirkt darauf nicht nur glaubwürdiger als jeder FPÖ-Obmann, sondern auch als die Mystikerin, die ein Foto als biedere Sieghartskirchnerin entmystifiziert.

Die Zahlenmystikerin Puchinger dürfte in Straches FPÖ beinahe so etwas wie offiziellen Status besitzen. Denn die Wahrsagerin schickt ihre Abrechnung an den FPÖ-Parlamentsklub. Im Zeitraum von April 2010 bis Juli 2012 hat sie der prominenten Kundschaft sogar Rabatt gewährt: "Sonderpreis =6000 Euro", statt der üblichen "6750 Euro". Das ist nicht überzahlt, wird dafür doch geliefert: "Schutz für In- und Ausland, Kraft, Energie, Schutzmantel bei Auftritten, diverse Utensilien."

Ein besonderer Schutzmantel ist in den letzten fünf Jahren an Strache nicht aufgefallen. Dabei sollte er einen brauchen, hat "News" doch entdeckt: Er ist zerbrechlich, wie viele andere auch. Er ist immer wieder ratlos, wie die meisten anderen auch. Er ist schutzbedürftig, wie fast alle. In solchen Fällen konsultiert der freiheitliche Parteiobmann, der sich auch gern als Retter des Abendlandes darstellt, allerdings keine abendländische Glaubensgemeinschaft. Sondern eine Magierin aus Niederösterreich.

Leider hat "News" vergessen, die einzig relevante Frage zu stellen. Stammen die 6000 Euro aus Straches Privatschatulle oder aus Steuermitteln, die der FPÖ-Klub erhält? Stattdessen ließ man sich billig abspeisen: Die FPÖ wollte zu Strache und zur Zahlung an Frau Puchinger "für Schutz und Hilfe" keine Stellung nehmen. Den FPÖ-Klub kann Straches Schutz noch teuer kommen, warnte Frau Tina doch, dass nach Beendigung ih-rer Tätigkeit Kraft und Energie nachlassen. (Günter Traxler, 30.5.2015)

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