Österreichs modernste Justizanstalt fertiggestellt

30. Mai 2015, 08:00
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225 Häftlinge finden im neuen Gefängnis in Urstein ab Juni Platz

Salzburg – Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) nennt sie "ein Vorzeigeprojekt" und Vorbild für künftige Gefängnisse: Die neu errichtete Justizanstalt in Puch-Urstein bei Salzburg sei nach den modernsten baulichen und sicherheitstechnischen Standards errichtet. 225 Häftlinge sollen ab Juni in dem Neubau Platz finden und damit die in die Jahre gekommene Haftanstalt in der Salzburger Altstadt ablösen.

Im Strafvollzug habe es bisher einen "Reformstau" gegeben, gesteht der Justizminister ein. Nun müsse man aufholen. Ziel sei es, die Haftbedingungen humaner zu gestalten. Im Mittelpunkt stehe die möglichst rasche Resozialisierung und Wiedereingliederung der Häftlinge. Brandstetter hält es mit Leo Tolstoi und zitiert: "Um einen Staat zu beurteilen, muss man seine Gefängnisse von innen sehen."

Lob vom Justizminister gab es für die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die den Neubau innerhalb von zwei Jahren aufgestellt hatte. "Der schnelle Abschluss der Baustelle macht auch Hoffnung für die nächsten Baustellen im Straf- und Maßnahmenvollzug", betont Brandstetter und nennt den Jugendvollzug als Beispiel.

75 Prozent der Häftlinge sollen arbeiten

36 Millionen Euro investierte die BIG in die Justizanstalt, die auch ein Niedrigenergiehaus ist. Das gesamte Areal hat 14.300 Quadratmeter, in den vier Gebäudeflügeln sind ein Haft-, Verwaltungs- und Wirtschaftstrakt sowie eine Sporthalle untergebracht. In den insgesamt elf betrieblichen Einrichtungen sollen die Häftlinge einer Arbeit nachgehen. 75 Prozent Beschäftigungsanteil unter den Insassen ist das erklärte Ziel.

Zeitgemäßer und komfortabler als in dem mehr als 100 Jahre alten Justizgebäude in der Altstadt werden es die Häftlinge in Urstein allemal haben. Höchstens zwei Insassen werden in einem Haftraum untergebracht, bisher mussten sich bis zu zehn Personen eine Zelle teilen. Die Hafträume sind alle mit Dusche und Toilette sowie hellen Holzmöbeln, die von Häftlingen selbst produziert und aufgestellt wurden, ausgestattet und wirken eher wie Zimmer eines Studentenwohnheims, nur mit Gitterstäben vor den Fenstern.

Abwechslung im Gefängnisalltag

Fitnessräume, ein Sportplatz mit Kunstrasen-Fußballfeld, eine Turnhalle und Beete zum Bepflanzen sollen für Abwechslung im Gefängnisalltag sorgen. Gleichzeitig setzt die neue Justizanstalt auch verschiedene Vollzugsarten ein. Bei guter Führung spreche nichts dagegen, dass die Häftlinge sich frei auf dem Gang, in den Gemeinschaftsräumen oder im Hof bewegen, erläutert Anstaltsleiter Oberst Dietmar Knebel. Auch die Einschlusszeiten am Abend in den Hafträumen sollen je nach sicherheitstechnischer Notwendigkeit variabel gestaltet werden.

Auch 32 Plätze für Häftlinge im gelockerten Vollzug stehen bereit. Die betreffenden Insassen dürfen täglich die Justizanstalt verlassen, entweder um einer Arbeit nachzugehen oder für Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen. Ihre Hafträume bleiben immer offen, und die Türen haben eine sogenannte "Hotelsperre", mit der sie auch von innen verschließbar sind. Für Frauen gibt es gesondert 30 Plätze und einen eigenen Hof, und auch ein Jugendkompetenzzentrum, in dem 20 Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre untergebracht werden können, steht bereit. Jugendliche Straftäter, die ihr gesamtes Umfeld in Salzburg haben, müssen nun künftig ihre Haft nicht in Gerasdorf absitzen. Mittelfristig sei auch eine Berufsausbildung für jugendliche Häftlinge geplant. (Stefanie Ruep, 29.5.2015)

  • Der Blick auf den großzügigen Hof der neuen Justizanstalt in Salzburg.
    apa/barbara gindl

    Der Blick auf den großzügigen Hof der neuen Justizanstalt in Salzburg.

  • Justizminister Wolfgang Brandstetter in einem Haftraum der neuen Salzburger Justizanstalt in Puch-Urstein.
    apa/barbara gindl

    Justizminister Wolfgang Brandstetter in einem Haftraum der neuen Salzburger Justizanstalt in Puch-Urstein.

  • BIG-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss, Justizminister Wolfgang Brandstetter und Anstaltsleiter Dietmar Knebel (v.li.) im Wachzimmer der neuen Justizanstalt.
    apa/barbara gindl

    BIG-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss, Justizminister Wolfgang Brandstetter und Anstaltsleiter Dietmar Knebel (v.li.) im Wachzimmer der neuen Justizanstalt.

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