Neues Buch: Reden übers Bauen mit Holz

3. Juni 2015, 09:08
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"Überholz" porträtiert zehn Holzprofessionisten

Der interdisziplinäre Masterlehrgang "überholz" an der Kunstuniversität Linz feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass hat Lehrgangsmanagerin Veronika Müller die Mitglieder des überholz-Konzeptionsteams gebeten, jeweils einen Vertreter bzw. eine Vertreterin der Holzbranche zu nominieren. Diese wurden dann von Standard-Architekturkritiker Wojciech Czaja befragt.

Herausgekommen sind zehn Interviewporträts von Menschen, die in der Holzwirtschaft tätig sind und die sich einen Berufsalltag ohne Holz nicht vorstellen könnten. Zu Wort kommen neben einem Holzbauer, einem Statiker, einem Architekten, einer Autorin/Architekturvermittlerin und einer Försterin etwa auch ein Geigenbauer sowie ein Flugzeugbauer, der sich auf historische Doppeldecker aus Holz spezialisiert hat und diese nach Entwürfen aus dem Ersten Weltkrieg detailgetreu nachbaut.

Zürich als Vorbild für Wien

Was den Einsatz von Holz im Wohnbau betrifft, geben sich manche Experten in dem Buch durchaus zuversichtlich. "Der Trend zum Massivholzbau geht meiner Meinung nach in die richtige Richtung", sagt Tragwerksplaner Bruno Ludescher. "Für spezielle Anwendungen kann der Einsatz einer Holz-Hybridbauweise durchaus Sinn machen. Wichtig ist, dass man den Baustoff Holz dort einsetzt, wo er Sinn ergibt und wo seine Stärken liegen." Als Vorbild könne die Stadt Zürich gelten, "wo fünf- oder sechsstöckige Holzwohnbauten schon des Öfteren realisiert wurden".

"Die Holzlobby ist noch ganz klein, aber es wird schon", resümiert auch der französische Architekt Bruno Mader. "Die Kunden werden immer offener und aufgeschlossener. Viele Architekten sagen, dass sie sich vorstellen können, in Zukunft mehr mit Holz zu machen und auch mehr zu experimentieren." Es sollte aber wesentlich mehr in die Forschung investiert werden, sagen Mader und einige andere Experten. So fehle es etwa an Zertifizierungen, "was den Einsatz von Holz erheblich erschwert" , so Mader.

Geografischer Ursprung

Aus den Antworten von Holzforscherin Julia Denzler (Holzforschung Austria) wird aber auch klar, was die Schwierigkeiten dabei sind: "Im Grunde genommen müsste man Bäume nach ihrem geografischen Ursprung unterscheiden. Holz aus dem Norden Europas hat andere Eigenschaften als jenes aus dem Süden. Und Holz von einem langsam gewachsenen Baum vom Berg verhält sich anders als von einem Baum aus dem Tal." Die Frage sei, wie diese Faktoren wissenschaftlich messbar und kategorisierbar gemacht werden können. (mapu, 2.6.2015)

Veronika Müller (Hrsg.): "Überholz. Gespräche zur Kultur eines Materials", Verlag Anton Pustet, 112 Seiten, 18 Euro. Das Buch erscheint am 11. Juni.

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