Glaskugel-Heinzi reformiert das Land

Kolumne29. Mai 2015, 17:00
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Die FPÖ auf esoterischen Pfaden

Österreich steckt tief im Schockzustand. Durch eine mediale Indiskretion ist ruchbar geworden, dass sich H.-C. Strache in seinem politischen Walten von "Frau Tina" beraten lässt, einer Wahrsagerin aus dem schönen Ort Sieghartskirchen. Just der Vorsitzende einer Partei, die sonst als Born der Vernunft und als Brünnlein kritischer Intelligenz gilt, nimmt Zuflucht bei der niederösterreichischen Eso-Szene!

Seither fragt sich ganz Österreich, wie der solide Hazee zum Glaskugel-Heinzi mutieren konnte. Frau Tina hat offenbar Überzeugungstalent. 2008 habe sie Jörg Haider gewarnt, dass ihm "Unheil" drohe, ein paar Wochen später verunfallte er tödlich. Das beweist zwar eine klare Zukunftsschau, andererseits hätte auch der Krisenkolumnist präzise prophezeien können, dass den Kärntnern von einem zuagrasten Oberösterreicher Unheil droht. Und das schon Mitte der 1980er.

Es sei, wie es sei. Interessant wäre, zu wissen, was Frau Tina Hazee im Detail geweissagt hat: "Sie werden in der nächsten Disco eine Mörderblondine aufreißen." Oder: "Herr Strache, Sie brauchen künftig kein Gel mehr. Sie können Ihnen stattdessen den Wiener Bürgermeister und den Bundeskanzler in die Hoar schmieren."

Jedoch: Wer kann sicher sein, dass es wahr ist? Die Österreicher haben ein ungebrochenes Faible für die Blauen. So viele Hypos könnte man ihnen gar nicht einbrocken, als dass sie aufhören würden, FPÖ zu wählen. Vielleicht kommt es wegen des großen Erfolgs von Schwarz-Blau ja nach den nächsten Nationalratswahlen zu einer neuen Koalition mit den Freiheitlichen. Dann steht uns ein esoterisches Regierungsprogramm ins Haus.

Hier ein paar Blicke in die Zukunft: Einführung neuer Ministerien für Phrenologie und Granderwasser, Frau Tina löst Heinisch-Hosek als Bildungsministerin ab, Genitalhoroskopie (www.astrogenital.com) wird zum Zentralmatura-Pflichtfach.

Weiter im blauen Regierungsprogramm: Wünschrutenseminare, um internationale Investoren anzulocken. Zur Prognostizierung der österreichischen Konjunktur ein wöchentliches kollektives Beuschelessen im Ministerrat (Eingeweideschau!). Vor allem aber jede Menge Voodoo-Ökonomie. Damit hat die FPÖ seit der Hypo Kärnten ja Erfahrung. Und wenn es trotzdem Probleme bei der Budgeterstellung geben sollte? Dann fragen wir einfach Frau Tina. (Christoph Winder, Album, 29.5.2015)

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