Ein Bauernhof am Stephansplatz wäre ideal

1. Juni 2015, 05:30
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Der Feinkosthändler Cornelius Türk wohnt in einer kleinen Wohnung in der Wiener City. Wichtig ist ihm nicht die Zahl der Quadratmeter

Der Feinkosthändler Cornelius Türk wohnt in einer kleinen Wohnung in der Wiener City. Wichtig ist ihm nicht die Zahl der Quadratmeter, sondern Gemütlichkeit und Kerzenschein. Michael Hausenblas war zu Besuch.

"Ich wohne in einem alten Haus in einer engen Gasse in der Nähe des Stephansplatzes. Ich würde die Zeit, in der es erbaut wurde, auf das frühe 18. Jahrhundert schätzen. Ursprünglich stand an dieser Stelle ein Brunnen, dann wurde hier ein Kloster gebaut, ehe dieses zum Wohnhaus wurde. Im Innenhof war außerdem Ende des 19. Jahrhunderts ein legendäres Tanzcafé untergebracht.

foto: lisi specht
Cornelius Türk und Freundin Andrea Fischer in ihrer kleinen, sehr alten Wohnung, wo sie es sich nach dem Motto "Raum ist in der kleinsten Hütte ..." gemütlich machen.

Das Grätzel hier ist sehr geschichtsträchtig. Persönlichkeiten wie Beethoven und Mozart trieben sich hier herum. Ich mache mir die historische Bedeutung dieses Stadtteils immer wieder bewusst, allein schon, wenn ich über die alten, abgewetzten Steintreppen in den dritten Stock steige. Mit jedem Schritt kommt ein winzig kleiner Teil Geschichte hinzu.

Ich wohne hier seit 2012, vor ungefähr einem Jahr ist meine Liebste, Andrea Fischer, zu mir gezogen. Die Wohnung misst 60 Quadratmeter, für zwei Personen geht sich das ganz gut aus, auch wenn Andrea keine Möbel mehr mitbringen konnte, sondern nur mit einem Koffer eingezogen ist.

Der Wohnraum ist folgendermaßen aufgeteilt: Es gibt einen kleinen Vorraum, ein Bad und noch zwei gleich große Räume, die ineinanderfließen. Das eine ist unsere Wohnküche, das andere unser Wohnschlafzimmer. Ich denke, in einer Wohnung sollte alles ineinander übergehen, nur so kann eine heimelige Atmosphäre entstehen.

Ich habe lange Zeit in großen Wohnungen gewohnt und dabei die Erfahrung gemacht, dass große Wohnungen in der Regel nicht gemütlich sind. In Wahrheit spielt sich doch fast alles zwischen Küche, Couch und Bett ab. Klar kann eine 200-Quadratmeter-Wohnung sehr schön sein, aber man verliert sich auch leicht darin. Ich habe kleine Wohnungen während meiner Zeit als Banker in London schätzen gelernt, wo ich während der ersten Zeit in einer 35 Quadratmeter großen Wohnung gelebt habe. Die Atmosphäre, das Licht, diese Faktoren sind wichtig. Wenn diese passen, machen sie das Fehlen von Quadratmetern locker wett. Alle unsere Lichtquellen lassen sich dimmen, und ich zünde fast immer Kerzen an, sogar im Sommer.

Bezüglich Einrichtung ist mir der Schiffskoffer meines Urgroßvaters sehr wichtig, der bei der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft beschäftigt war. Dann wären da noch mein Bett und die Kommoden von Interlübke, die ich mir seinerzeit von meinem ersten Bonus als Banker gekauft habe. Erwähnen möchte ich auch den dunkelroten Bosch-Kühlschrank und die Originalfotos von Erich Lessing, an denen meine Blicke sehr oft picken bleiben. Er hat sie persönlich signiert und mir genau erklärt, wann, wo und wie er die Aufnahmen machte.

Wenn ich ein anderes Wort für Wohnen finden müsste, dann würde ich wahrscheinlich Tankstelle sagen. Schon ein paar Stunden hier zu verbringen gibt mir neue Kraft.

Alles in allem passt es uns hier sehr gut. Ich meine, wir werden hier nicht in Pension gehen, aber einstweilen haben wir es uns sehr fein gerichtet. Langfristig zieht es Andrea eher ins Grüne, an den Stadtrand, wohingegen ich sehr gerne in einem Altbau in der Innenstadt bleiben würde. Auch die Nähe zu meinem Geschäft in der Schulerstraße erweist sich als sehr praktisch. Ein Bauernhof am Stephansplatz wäre also ideal.

Was mir wirklich fehlt, ist mein Billardtisch, den ich bei einem Freund zwischengelagert habe. Außerdem habe ich eine sehr tolle Soundanlage, die hier eingepfercht steht und eigentlich den doppelten Raum benötigen würde. Das ist, als würde man mit einem Ferrari im zweiten Gang fahren." (1.6.2015)

Cornelius Türk wurde 1979 in Wien geboren. Nach Abschluss der Handelsakademie begann seine berufliche Laufbahn in der Finanzindustrie. Er war Erdölbroker und Investmentfonds-Analyst. 2006 übersiedelte er nach London. Dort leitete er die Analyse-Abteilung des Dachfondsmanagements bei Fortis / BNP Paribas. 2010 zog er zurück nach Wien und eröffnete sein Delikatessengeschäft "Gourmet Cornelius" in der Wiener Schulerstraße 21 im 1. Bezirk. Vom Stammpublikum über Caterings bis zum Exportgeschäft nach China ist die Klientel breit gefächert.

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Gourmet Cornelius

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