Nigerias neuer Präsident verspricht Kampf gegen Boko Haram

29. Mai 2015, 16:11
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Ex-Putschist Buhari als neues Staatsoberhaupt vereidigt

Abuja - Nigerias neuer Präsident Muhammadu Buhari hat zu seinem Amtsantritt einen entschlossenen Kampf gegen die Extremistengruppe Boko Haram angekündigt, die im Nordosten seit Jahren einen blutigen Aufstand gegen die Regierung führt. Der 72-jährige frühere Militärmachthaber versprach bei seiner Vereidigung am Freitag in der Hauptstadt Abuja zudem, die Probleme des Landes entschieden anzugehen.

Nigeria sehe sich "enormen Herausforderungen" ausgesetzt, die er aber "frontal" angehen werde, sagte Buhari bei der Zeremonie auf einem Platz im Zentrum Abujas. "Die Nigerianer werden nicht bedauern, uns diese Verantwortung übertragen zu haben", fuhrt Buhari fort, der in einem traditionellen weißen Gewand gekleidet war. Er hatte sich vor zwei Monaten bei der Präsidentenwahl überraschend gegen Amtsinhaber Goodluck Jonathan durchgesetzt.

"Verrückte und gottlose Menschen"

Dieser hatte es insbesondere nicht geschafft, den blutigen Aufstand der islamistischen Sekte Boko Haram in den Griff zu bekommen. "Boko Haram ist eine Gruppe verrückter und gottloser Menschen, die so weit vom Islam entfernt sind, wie man es sich nur vorstellen kann", sagte Buhari. Er kündigte an, eine eigene Kommandozentrale in Maiduguri im Konfliktgebiet im Nordosten des Landes einzurichten, da ein Sieg nicht von Abuja aus erreicht werden könne.

Der Aufstand der sektenartigen Rebellengruppe hat seit 2009 mehr als 15.000 Menschen das Leben gekostet. Buhari versprach auch, sein Möglichstes für die Befreiung der Hunderten Geiseln aus der Gewalt der Extremisten zu tun. Boko Haram hatte im April 2014 international Schlagzeilen gemacht, als sie mehr als 200 Schulmädchen aus Chibok entführte. Angehörige hatten anschließend Jonathan vorgeworfen, zu wenig für ihre Befreiung zu tun.

Bevor Buhari den Amtseid ablegte, schüttelte er Shehu Shagari die Hand, den er bei einem Militärputsch 1983 als demokratisch gewählten Präsidenten abgesetzt hatte. Auch General Ibrahim Babangida, der ihn 20 Monate später wieder stürzte, gab Buhari die Hand. Der frühere Militärmachthaber beschreibt sich selbst als "konvertierten Demokraten". Sein Amtsantritt ist der erste demokratische Machtwechsel in der Geschichte der Nation von 173 Millionen Einwohnern.

Buhari hat versprochen, entschlossen gegen die Plage der Korruption vorzugehen. Zudem will er die hohe Arbeitslosigkeit und die schwache Wirtschaft angehen, ist aber ebenso wie sein Vorgänger angesichts des niedrigen Ölpreises mit einer knappen Kassenlage konfrontiert. Bei der Zeremonie versprach Buhari, auch die Stromversorgung zu verbessern. Dass im größten Ölproduzenten Afrikas regelmäßig der Strom ausfällt, nannte er eine "nationale Schande".

Unterdessen meldete die tschadische Armee, die ebenso wie die Streitkräfte anderer Nachbarländer am Kampf gegen Boko Haram beteiligt ist, dass sie einen Angriff der Extremisten auf die Insel Choua im Tschad-See zurückgeschlagen habe. Dabei seien vier Soldaten und 33 Rebellen getötet worden, sagte ein Oberst. Die Luftwaffe fliege Angriffe auf Stellungen der Islamisten am Tschad-See und zerstöre ihre Nahrungsvorräte, ihre Munition und ihren Treibstoff.

Bei einer Hochzeit in einem Dorf im Nordosten Nigerias wurden indes sieben Gäste bei der Explosion von zwei Bomben getötet, wie Augenzeugen und Sicherheitskräfte berichteten. Das Dorf im Bundesstaat Borno war wiederholt Ziel von Angriffen von Boko Haram. (APA, 29.5.2015)

  • Der abgewählte Präsident Goodluck Jonathan (links) gratuliert dem neuen Präsidenten Muhammadu Buhari (rechts) nach seiner Angelobung.
    foto: reuters/afolabi sotunde

    Der abgewählte Präsident Goodluck Jonathan (links) gratuliert dem neuen Präsidenten Muhammadu Buhari (rechts) nach seiner Angelobung.

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