Als Großvater war Picasso ein Versager

29. Mai 2015, 16:28
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Den Künstler Picasso ehrt man bis heute, doch als Großvater heimste Pablo keinen Ruhm ein

Wenn es einen Künstler gibt, der einer affinen Medienbranche Berichte nachgerade serviert, dann ist es Pablo Picasso: über Ausstellungen und in der Bewertung vom Einfluss des Übervaters der Moderne auf folgende Künstlergenerationen sowieso, auch über die auf dem Kunstmarkt im Staccato verzeichneten Rekorde, die Skandälchen nicht zu vergessen.

Im März wurde Picassos ehemaliger Elektriker samt Ehefrau wegen Hehlerei verurteilt, da in deren Besitz 271 bislang unbekannte Werke aufgetaucht waren, die das Paar in den 1970ern vom Künstler als Kompensation für Handwerksdienste erhalten haben soll. Unglaubwürdig, meinten die Erben und hatten den Bestand konfiszieren lassen.

Anfang Mai setzte sich mit Les femmes d'Alger (179,36 Millionen Dollar, Christie's New York) nach fünf Jahren wieder ein Werk an die Spitze im Ranking der höchsten jemals erzielten Auktionszuschläge. Nahezu zeitgleich wurde bekannt, dass sich ein Luxemburger Art-Advisor (Olivier Thomas) und ein Schweizer Geschäftsmann und Kunsthändler (Yves Bouvier) am eingelagerten Bestand von Picasso-Gemälden der Stieftochter (Catherine Hutin-Blay) des Künstlers bedient haben dürften: in zumindest drei Fällen, wenn nicht mehr. Anfang dieser Woche verlautbarte Sotheby's die für 25. Juni (Impressionist & Modern Art Day Sale) in London anberaumte Versteigerung einer in ihrer Qualität herausragenden Kollektion von Originalkeramiken aus dem Besitz von Picassos Enkelin Marina. Die 126 getöpferten Werke (Wertumfang 4,5 Mio. Pfund) umfassen die Schaffensphase von 1947/48 (Manufaktur Madoura) bis zu den späten 1960er-Jahren. Preislich reicht die im Vorfeld taxierte Bandbreite von 30.000 bis 40.000 Pfund bis zu 180.000 bis 250.000 Pfund.

Stark nachgefragte Minderheit

Ob in dieser Gattung ein neuer Auktionsrekord bevorsteht, wird sich weisen. Im Vergleich zu seriell hergestellten Picasso-Keramiken stellen solche Einzelstücke auf dem Markt eine stark nachgefragte Minderheit dar. Der vorläufige Höchstwert liegt bei etwas mehr als 980.000 Pfund (inkl. Aufgeld), die die 1950 von Picasso in der Manufaktur Madoura geformte große Vase im Juni 2013 bei Christie's in London erzielte.

Mit der Bekanntgabe der Auktion bestätigte Sotheby's einen Bericht in der Wochenendausgabe der britischen Tageszeitung The Guardian, in dem Marina Picasso die Beweggründe für den Verkauf erläutert und zeitgleich Einblicke in ein tristes Familienleben liefert. Ein Resümee, das nicht den erfolgreichen Meister hofiert, sondern über dessen Versagen als Mensch und Großvater erzählt. Als Tochter seines Sohnes Paulo aus erster Ehe mit der russischen Ballerina Olga Chochlow war sie genauso wie ihr Vater von späteren Ehefrauen als Eindringling behandelt worden. Stundenlang mussten beide vor der Haustür ausharren, bis ihnen Einlass gewährt wurde. Ganz im Gegensatz zur Ziege Esmeralda, der dieses Recht als Haustier zustand. Mit Warten, so Marina, habe sie deshalb bis heute ein Problem.

Zu Lebzeiten hatte ihr Picasso nicht eine einzige Skizze überlassen, mit 22 Jahren erbte sie dann ein Fünftel des Vermögens des Großvaters, der ihr nie ein solcher gewesen war. Mit der riesigen Kunstsammlung, darunter alleine 300 Gemälde, verbinde sie, ganz ohne Bitterkeit formuliert, keinerlei Emotionen. (kron, Album, 29.5.2015)

  • "Chevre au repos": 1947 schuf Pablo Picasso dieses Keramikunikat eines Gefäßes in Ziegengestalt.
    foto: sotheby's

    "Chevre au repos": 1947 schuf Pablo Picasso dieses Keramikunikat eines Gefäßes in Ziegengestalt.


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