Wort der Woche: Wahrsagen

30. Mai 2015, 17:00
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Mit der Wahrheit hat es selten zu tun, aber Glauben schenken ihm trotzdem viele, dem Wahrsagen

Heinz-Christian Strache bemühte also eine Wahrsagerin. Sie sollte ihm "Energie und Kraft" verleihen, ihm Schutz bieten. So berichtete News. Das Wahrsagen zählt zu den ältesten Gewerben der Welt und ist ähnlich beleumundet wie das andere älteste Gewerbe. Ihrem Alter entsprechend leitet sich die "Kunst der Zukunftsdeutung" wahlweise aus dem Altgriechischen oder dem Lateinischen ab. Von der Mantik, die von "mantik? téchne" kommt oder von "divinatio", der Wahrsagung.

Nun klingt Wahrsagen moralisch höchst integer, die diese Tugend gern für sich reklamierende Kirche sah im Wahrsagen jedoch eine Anmaßung des Menschen gegenüber dem göttlichen Plan. Heute gilt die Wahrsagerei zum weiten und nach wie vor prosperierenden Gebiet des Aberglaubens. Da schließt sich durchaus ein Kreis zu Strache und der FPÖ: Man kann ihre Behauptungen noch so oft durch Fakten entkräften, aber glauben werden ihre Anhänger sie trotzdem.

Zu den Mitteln der Wahrsagung zählt das Kartenlegen, wobei hier zwecks Treffsicherheit keine des Rausches verdächtigen Schnapskarten verwendet werden sollen. Auch Schwarzer Peter und Uno gelten als eher unverlässlich. Höheres Ansehen genießt die Glaskugel (nicht aber die Murmel) sowie der Runenwurf. Gerade Straches weibliche Fans hellsehen in dieser zart okkulten Neigung nichts Ehrenrühriges. Im Gegenteil: Manche Männer seien bestenfalls sinnlich, sagen sie, aber der Strache, der sei sogar übersinnlich. (flu, 30.5.2015)

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    foto: ap/jeff cooper
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