Blut der Görtschitztaler überdurchschnittlich mit HCB belastet

29. Mai 2015, 12:23
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84 Prozent der Getesteten über Österreich-Durchschnitt, aber keine akute Gesundheitsgefahr

Klagenfurt – Die Bevölkerung des Kärntner Görtschitztals hat deutlich mehr HCB im Blut als der Durchschnittsösterreicher. Das ist das Endergebnis der bisherigen HCB-Blutuntersuchungen. Wie das Land am Freitag in einer Aussendung mitteilte, lagen 84 Prozent der 135 getesteten Personen über dem Durchschnittswert. Weitere Blutuntersuchungen sollen stattfinden.

Wie es im Bericht heißt, konnte nun ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Belastung und den HCB-Emissionen des Wietersdorfer Zementwerks festgestellt werden. Die hohe HCB-Belastung lasse sich vor allem mit der Aufnahme über die Nahrung, besonders über Milch und Fleisch, erklären: "Die Gruppe mit den relativ höchsten Werten bestand ausschließlich aus Personen, die sich überwiegend von Lebensmitteln aus eigener Produktion ernährten." Hohe HCB-Werte wurden auch bei Personen festgestellt, die in einem Umkreis von sieben Kilometern zum Zementwerk wohnen.

Keine unmittelbare Gesundheitsgefährdung

Aufgrund der Messergebnisse sei keine unmittelbare akute Gesundheitsgefährdung zu befürchten, meinen die Experten. "Allerdings haben Studien gezeigt, dass HCB als hormonell wirksamer Fremdstoff auch in niedrigen Konzentrationen bereits zu einer Belastung der Entgiftungs- und Stoffwechselvorgänge führen kann", sagte Michael Kundi von der Medizinischen Universität Wien. Oberste Priorität müsse deshalb haben sicherzustellen, dass keine weitere HCB-Belastung der Menschen im Görtschitztal erfolgt.

Die bereits auf HCB getesteten Personen sollen jetzt weiter untersucht werden, kündigte Gesundheitslandesrätin Beate Prettner (SPÖ) an: "So können wir Rückschlüsse auf den Abbau von HCB im menschlichen Organismus ziehen." Aber auch bisher nicht untersuchte Kinder und junge Erwachsene aus dem Görtschitztal sollen noch getestet werden.

Grenzwerte senken

Zur Unterstützung der Ausscheidung von HCB wird die Einnahme von Pflanzenölen wie Sonnenblumenöl, Maiskeimöl und Olivenöl empfohlen. Von Kürbiskernöl, das laut Gesetz mehr HCB enthalten darf, sollen die Görtschitztaler lieber absehen. Global-2000-Umweltchemiker Helmut Burtscher forderte erneut eine Senkung der EU-Grenzwerte in Milch und Fleisch: "Der Bericht hat deutlich gemacht, dass die geltenden HCB-Grenzwerte für Lebensmittel ganz und gar nicht sicher sind."

Verglichen wurde das Blut der Görtschitztaler mit Stichproben aus der Österreichischen Ernährungsstudie 2010 bis 2012. Es gibt nämlich keine österreichischen Referenzwerte für HCB. (APA, 29.5.2015)

  • Görtschitztaler haben mehr HCB im Blut als andere Menschen in Österreich.
    foto: apa/helmut fohringer

    Görtschitztaler haben mehr HCB im Blut als andere Menschen in Österreich.

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