ASCO-Jahrestagung: Neuer Ansatz gegen Lungenkrebsform

29. Mai 2015, 12:00
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Weltgrößter jährlicher Krebskongress in Chicago - Cholesterinsenker und Krebsmedikament als Kombination im Labor wirkungsvoll

Mit rund 25.000 Teilnehmern startet in Chicago in den USA die jährlich größte und weltweit einflussreichste Tagung der Onkologen (29. Mai bis 2. Juni). Präsentiert werden rund 5.000 Studien in Sachen Krebsmedizin. Die österreichischen Beiträge umfassen Grundlagenforschung mit Labordaten, neue Erkenntnisse zu Biomarkern und Resultate aus Arzneimittelprüfungen.

Wenn sich eine neue österreichische Wirkstoffkombination in Studien als wirksam erweist, wäre das ein echter Fortschritt bei bestimmten Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom.

Kombination wirksam

Christoph Minichsdorfer vom Comprehensive Cancer Center im Wiener AKH und seine Co-Autoren haben im Labor den Effekt einer Kombination des Krebsmedikaments Erlotinib plus eines der Statine an Lungenkarzinom-Zelllinien untersucht, die auf Erlotinib allein nicht ansprechen.

Weder ein Cholesterinsenker allein oder das Krebsmittel allein zeigten eine Wirkung. Die Kombination aber wurden in den Zellen in Kultur ein Wachstumsstopp und nachfolgender programmierter Zelltod erzielt. Der Beweis für einen solchen Effekt bei Patienten mit solchen Lungenkarzinomen steht aber noch aus.

Carfilzomib gehört zu jenen Wirkstoffen (wie Bortezomib), welche jene Strukturen (Proteasome) in bösartigen Zellen blockieren, die Stoffwechselprodukte abbauen sollen. Die Zellen ersticken dadurch buchstäblich an ihrem eigenen nicht abgebauten Mist. 2005 gab es für die Entdeckung dieser Mechanismen den Chemie-Nobelpreis.

Die Wissenschafter einer internationalen Forschergruppe, darunter auch Forscher vom AKH Wien und vom Wiener Wilhelminenspital, verglichen bei Patienten mit Rückfällen nach ersten Therapieversuchen die Wirksamkeit der Verabreichung von Bortezomib und einem Cortison-Präparat (Dexamethason) mit der entsprechenden Kombination von Carlfizomib und dem Cortison. Mit dem neueren Medikament ergab sich eine Verdoppelung der Zeit bis zum weiteren Fortschreiten der Erkrankung (von durchschnittlich 9,4 auf 18,7 Monate).

Verbesserter Behandlungsablauf

Die Fortschritte in der Onkologie liegen aber neben neuen Arzneimitteln auch sehr häufig in besseren Behandlungsabläufen. In einer Studie haben Wissenschafter der Wiener Universitätskliniken (Onkologie, Urologie) bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom eine Individualisierung der medikamentösen Therapie erprobt.

Dabei wurden Arzneimittel der zielgerichteten Krebstherapie in ihrer Dosis gesteigert, wenn objektive Kriterien ein Fortschreiten der Erkrankung anzeigten. Schließlich wurde beim von den behandelnden Ärzten festgestellten Auftreten von Therapieresistenz das Medikament gewechselt. Damit ließ sich die durchschnittliche Überlebenszeit von Patienten auf rund 75 Monate in etwa verdoppeln.

Wie eng Krebserkrankungen mit der Immunologie verbunden sind, zeigt eine Studie, die Innsbrucker Wissenschafter beim ASCO-Jahreskongress präsentieren: Weniger sogenannte CD4-positive Zellen im Knochenmark bedeuten offenbar bei Patienten mit einem Myelom eine bessere Prognose, ebenso eine erhöhte Anzahl von sogenannten CD8-positiven Zellen. (APA, 29.5.2015)

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