Wirtschaftswachstum in Österreich bleibt schwach

29. Mai 2015, 09:02
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Das BIP legte bis zum März lediglich um 0,1 Prozent zu, die Erwartungen des Wifo wurden bestätigt

Wien - Österreichs Wirtschaft steckte zu Jahresbeginn fast noch in der Stagnation. Bis März stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber der Vorperiode real lediglich 0,1 Prozent, bestätigte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Freitag. Nur die 0,2 Prozent höhere Konsumnachfrage ermöglichte überhaupt das schwache Plus. Die Wifo-Gesamtjahresprognose von 0,5 Prozent Wachstum könnte aber halten.

Schon zur Erstellung der letzten Prognose für 2015 von März sei man von einem schwachen ersten und zweiten Quartal und einem Anstieg im dritten und vierten Vierteljahr ausgegangen, "da war also der Quartalsverlauf, wie wir ihn jetzt von Jänner bis März gesehen haben, bereits unterstellt", sagte Wifo-Experte Jürgen Bierbaumer-Polly. Mit dem billigeren Öl und der Euro-Schwäche, die die Exporteure begünstigt, könne - wie von Fachleuten schon länger erwartet - auf eine Konjunkturbelebung im 2. Halbjahr gehofft werden.

Abgeschwächtes Umfeld

Der für 18. Juni geplanten Sommer-Prognose des Wifo könne er nicht vorgreifen, sagte Bierbaumer-Polly. Er verwies aber darauf, dass sich das internationale Umfeld, die Weltwirtschaft, etwas abgeschwächt habe. Die USA seien schwächer ins neue Jahr gestartet, auch China zeige sich etwas schwächer. "Der Rückgang in der weltwirtschaftlichen Dynamik wird eventuell schon einen Einfluss nehmen auf 2015 - und dann 2016", so der Experte.

grafik: apa

Die heimischen Unternehmen seien mit ihren Investitionsplänen trotz der niedrigen Zinsen "sehr vorsichtig und warten ab. Die generelle Unsicherheit bleibt", so Bierbaumer-Polly. Der Privatkonsum in Österreich steige wegen der realen Nettoeinkommenseinbußen und der sehr schwachen verfügbaren Einkommen schon seit 2013 nicht mehr. In Deutschland dagegen, das - trotz einer Abschwächung - im ersten Quartal doch mit 0,3 Prozent BIP-Plus gegenüber dem Vorquartal (und 1,1 Prozent Anstieg im Jahresabstand) aufwarten konnte, laufen Binnennachfrage, Investitionen und Privatkonsum besser, sagt der Wifo-Experte. Dazu verweist er auf den dort sehr kräftigen Anstieg der verfügbaren Einkommen, die den Privatkonsum stärken.

Stagnation in den letzten Quartalen

Mit dem geringen Wachstum heuer im ersten Quartal habe sich in Österreich die träge Entwicklung der letzten Zeit fortgesetzt, so das Wifo. Im dritten und im vierten Quartal 2014 war die Wirtschaft im Quartalsabstand gar nicht gewachsen, in den beiden Vierteljahren davor auch nur um je 0,1 Prozent. Bis März lag das BIP heuer im Jahresabstand real um 0,3 Prozent höher, vor einem Monat waren noch 0,4 Prozent angenommen worden. Im 4. Quartal 2014 hatte die Wirtschaftskraft binnen Jahresfrist sogar um 0,1 Prozent nachgegeben.

Dass nun im ersten Quartal überhaupt ein schwaches BIP-Plus zustande kam, lag hauptsächlich an der Konsumnachfrage (+0,2 Prozent). Insgesamt war die Inlandsnachfrage laut Wifo "erneut sehr schwach". Wie in den beiden Vierteljahren davor stiegen die privaten Konsumausgaben nur um 0,1 Prozent, die Ausgaben der öffentlichen Haushalte um 0,3 Prozent.

foto: apa/marijan murat

Rückläufige Investitionen

Auch die Investitionen der Firmen entwickelten sich abermals ungünstig, so das Wifo: Die Anlageinvestitionen wurden gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent gedrosselt. Deutlich eingeschränkt haben die Unternehmen dabei die Investitionen in Ausrüstungen (-1,1 Prozent) - bei Maschinen- und Geräte-Investments dauert der Rückgang schon neun Quartale an. Anders die Bauwirtschaft, dort zeigten sich erste Hinweise auf eine mögliche Stabilisierung (Bauinvestitionen -0,1 Prozent). Die Nachfrage nach Bauleistungen konzentrierte sich auf den Nichtwohnbau, während die Wohnbauinvestitionen erneut sanken.

Eine erste positive Tendenz war laut Wifo im Außenhandel zu verzeichnen. Sowohl Güterexporte wie -importe wurden - nach der verhaltenen Entwicklung davor - um 0,8 Prozent ausgeweitet. Dennoch kamen vom Außenbeitrag keine Wachstumsimpulse für die heimische Produktion, da die Importnachfrage nach Gütern und Dienstleistungen etwa im Gleichschritt mit den Ausfuhren expandierte (Importe Güter und Dienstleistungen +0,9 Prozent, Exporte +0,8 Prozent).

Industriekonjunktur weiterhin schlecht

Die Industriekonjunktur in Österreich verläuft dem Institut zufolge "weiterhin schlecht", die Wertschöpfung der Sachgüterproduktion sinkt seit Mitte 2014 (1. Quartal -0,5 Prozent). Auch in der Bauwirtschaft war die Wertschöpfung erneut rückläufig, wenngleich sich die Einbußen auf -0,3 Prozent abschwächten.

Positive Beiträge zum BIP-Wachstum kamen von den Dienstleistungsbereichen. Die Wertschöpfung der Sektoren Handel, Beherbergung und Gastronomie sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen stieg um je 0,4 Prozent. Im Bereich Information und Kommunikation wurde sie um 0,9 Prozent ausgeweitet. Nur die Wertschöpfung des Verkehrssektors ging laut Wifo geringfügig zurück (-0,3 Prozent). (APA, 29.5.2015)

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