Bombendrohung verzögert Fifa-Kongress in Zürich

29. Mai 2015, 14:18
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Veranstaltungshalle musste geräumt werden – Umstrittener Präsident Blatter zu Fifa-Skandal: "Kann nicht ständig auf alle aufpassen" – Unterstützung für den Schweizer bröckelt

Zürich – Gegen den Fifa-Kongress in Zürich hat es am Freitag eine Bombendrohung gegeben. "Das können wir so bestätigen", sagte Pressesprecher René Ruf von der Stadtpolizei Zürich. Die Drohung sei telefonisch bei einer Redaktion in Zürich eingegangen. Unter anderem deshalb sei der Saal im Hallenstadion geräumt worden – offiziell wurde das mit einer Mittagspause begründet.

Der Kongressraum sei von Spezialisten der Stadtpolizei und vom Wissenschaftlichen Forschungsdienst abgesucht worden, hieß es. Sonderliche Aufregung herrsche allerdings nicht, etwa um 13.30 Uhr durften die Medien zurück in den Veranstaltungsraum. Mittlerweile wurde der Kongress fortgesetzt, die Delegierten der 209 Fifa-Mitgliedsverbände arbeiteten die Agenda nach Plan weiter ab.

Präsidentenwahl verzögert sich

Die ursprünglich für Freitagmittag geplante Präsidentschaftswahl verzögert sich allerdings. Fifa-Chef Joseph Blatter, der sich erneut der Wahl stellt, hatte den mit Spannung erwarteten 65. Kongress des Fußball-Weltverbands am Vormittag mit einer Rede eröffnet. Der Schweizer forderte die Mitglieder angesichts des Korruptionsskandals zur aktiven Mitarbeit auf. "Heute rufe ich Sie zum Teamgeist auf, damit wir gemeinsam voranschreiten können. Wir sind zusammengekommen, um die Probleme anzupacken", sagte er in seiner Begrüßungsansprache.

Die Fifa steht nach den jüngsten Festnahmen und Suspendierungen von Spitzenfunktionären weltweit in der Kritik, Blatter kann sich dennoch auf eine fünfte Amtszeit einrichten. Den jüngsten Skandal hatte er am Donnerstag als individuelles Problem dargestellt: "Ich werde nicht erlauben, dass einige wenige die harte Arbeit der Mehrheit, die so hart für den Fußball arbeitet, zerstören."

Der 79-Jährige sprach von "Schande und Beschämung" für den Fußball. Die nächsten Monate würden nicht einfach für die Fifa. "Ich bin sicher, dass weitere schlechte Nachrichten folgen werden", sagte Blatter, der jede persönliche Verantwortung von sich wies. "Ich weiß, dass viele mich für verantwortlich halten ... Ich kann aber nicht ständig auf alle aufpassen." Wenn jemand etwas Falsches tun wolle, dann werde er versuchen, es zu vertuschen.

USA, Kanada, Australien, Neuseeland wechseln die Seiten

Die Unterstützung Blatter scheint aber inzwischen zu bröckeln. Die Verbände aus den USA, Kanada, Australien und Neuseeland schlugen sich angesichts des Skandals auf die Seite von Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien.

"Der US-Verband wird für Prinz Ali stimmen", twitterte Sunil Gulati, Präsident des amerikanischen Fußballverbands USSF. Beobachtern zufolge könnten damit die Chancen der USA auf die Ausrichtung einer weiteren WM sinken.

Auch der kanadische Verband CSA wandte sich von Blatter ab. "Wir haben uns nach einem Treffen für eine Wahl von Prinz Ali entschieden, da wir die derzeitige Führung der Fifa nicht unterstützen können", teilte CSA-Chef Victor Montagliani mit. Neuseelands Verbandspräsident Mark Aspden, der noch zu Wochenbeginn Blatter unterstützt hatte, wechselte ebenso die Seiten.

Noch überraschender kam das Umdenken Australiens, wo sich der langjährige Blatter-Unterstützer Frank Lowy für einen Neuanfang aussprach. "Wir glauben, dass die Fifa so schnell wie möglich einen Wechsel braucht", wurde der Verbandsboss in einer offiziellen Mitteilung zitiert. Damit geht Australien in Opposition zu einem Großteil des asiatischen Kontinentalverbands, der an Blatter festhält.

Entscheidung frühestens um 18 Uhr

Neben der asiatischen Konföderation AFC steht vor allem der afrikanische Kontinentalverband (CAF) nahezu geschlossen hinter Blatter. Das sollte reichen. Nach Informationen von nzz.ch sollte der Wahlgang ursprünglich um etwa 16 Uhr beginnen, mit einem Ergebnis war nicht vor 18 Uhr zu rechnen. Sollte kein Kandidat die notwendige Zweidrittelmehrheit erhalten und somit ein zweiter Wahlgang notwendig werden, dürfte die Entscheidung erst gegen 20 Uhr feststehen. Die Bombendrohung könnte diesen Fahrplan durcheinanderwirbeln.

ÖFB-Präsident Leo Windtner rechnete mit einem klaren Votum für den Amtsinhaber, war über diese Aussicht aber alles andere als glücklich. "Wir brauchen eine neue Glaubwürdigkeit und ein neues Image für die Fifa, und das ist nur erreichbar, wenn neue Personen an der Spitze stehen", sagte Windtner.

IOC-Chef Bach: Fifa muss mit Behörden kooperieren

Nach Ermittlungen aus den USA waren am Mittwoch die Fifa-Vizepräsidenten Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo festgenommen worden. Insgesamt 14 Personen stehen unter Korruptionsverdacht. Man habe nun die Chance, "einen langen und schwierigen Weg zu bestreiten, um Vertrauen wiederzugewinnen", erklärte Blatter.

IOC-Präsident Thomas Bach forderte die Fifa zur vollständigen Aufklärung des Korruptionsskandals auf. "Das sind traurige und schwierige Tage für die Fifa. Das sind auch sehr wichtige Tage für die Fifa", sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees bei der Eröffnung des Fifa-Kongresses. "Alle Fans verfolgen diesen Kongress mit großer Aufmerksamkeit, ich bin einer von ihnen."

Nach den Festnahmen in Zürich ermutige der Deutsche die Fifa, "die Kooperation mit den Behörden fortzusetzen und alle notwendigen Maßnahmen zu unternehmen. Wir wissen, dass dieser Kampf herausfordernd und sehr schmerzhaft sein kann. Es gibt aber keinen anderen Weg, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen." Bach gab sich aber zuversichtlich, dass die Fifa auf einem "Weg der Transparenz" die Herausforderungen meistern könne. (APA, sid, red, 29.5.2015)

  • Präsident Blatter eröffnet den Kongress am Freitag mit einer Rede. Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein, Uefa-Chef Michel Platini und Issa Hayatou, Blatters afrikanischer Alliierter, lassen sich kein Wort entgehen.
    foto: reuters/wiegmann

    Präsident Blatter eröffnet den Kongress am Freitag mit einer Rede. Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein, Uefa-Chef Michel Platini und Issa Hayatou, Blatters afrikanischer Alliierter, lassen sich kein Wort entgehen.

  • Sunil Gulati, Präsident des US-Verbands, wird Herausforderer Prinz Ali wählen.
    foto: ap/amendola

    Sunil Gulati, Präsident des US-Verbands, wird Herausforderer Prinz Ali wählen.

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