Chile: Studentenproteste nach umstrittenem Wasserwerfereinsatz

29. Mai 2015, 12:55
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100.000 bei Demonstrationen in Santiago und Valparaíso – Video zeigt, wie Rodrigo Aviles Bravo verletzt wurde

Santiago de Chile – In Chiles Hauptstadt haben erneut zehntausende Studenten gegen die Bildungsreform von Staatschefin Michelle Bachelet sowie gegen Polizeigewalt demonstriert.

Nach Angaben der Organisatoren nahmen am Donnerstag rund 100.000 Menschen an dem Protestmarsch in Santiago de Chile teil. Sie marschierten vor das Bildungsministerium und den Sitz des staatlichen Fernsehens.

Einige vermummte Demonstranten griffen Polizeibeamte mit Stöcken und Steinen an. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer gegen sie ein. Auch in der Hafenstadt Valparaíso gab es bei einer Studentendemonstration Zusammenstöße.

Student schwer verletzt

Die Stimmung wurde dadurch aufgeheizt, dass bei einer Demonstration vergangene Woche in Valparaíso der Student Rodrigo Aviles Bravo durch einen Wasserwerfer der Polizei lebensgefährlich verletzt worden war. Die Polizei hatte zuerst jegliche Verantwortung für Verletzungen Aviles' bestritten und von einem tragischen Sturz gesprochen. Erst als der Fernsehsender TVN ein Video des Wasserwerfereinsatzes ausstrahlte, änderte Polizeigeneral Julio Piñeda seine Meinung.

In ihrer ersten Amtszeit als Präsidentin (2006–2010) hatte Bachelet die Studenten enttäuscht, weil die im Wahlkampf angekündigte Bildungsreform nicht zustande kam. Im Jänner dieses Jahres verabschiedete der chilenische Kongress schließlich ein erstes Reformgesetz, das staatlich geförderten Schulen profitorientierte Aktivitäten untersagt und den Zugang zu universitärer Bildung erleichtern soll.

In der zweiten Phase der Reform, die derzeit im Parlament debattiert wird, sollen 60 Prozent der ärmsten Studenten die Studiengebühren erlassen werden, bis 2020 soll diese Quote hundert Prozent erreichen.

Die Staatschefin steht zudem wegen mehrerer Korruptionsskandale in ihrem Umfeld in der Kritik. Bachelets Umfragewerte, die zu Ende ihrer ersten Amtszeit bei 80 Prozent lagen, sind mittlerweile auf 30 Prozent gefallen. (red/APA, 29.5.2015)

  • Zehntausende nahmen an den Protesten in Santiago de Chile teil.
    foto: reuters/pablo sanhueza

    Zehntausende nahmen an den Protesten in Santiago de Chile teil.

  • Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten ein.
    foto: reuters/caros vera

    Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten ein.

  • Der Student Rodrigo Aviles Bravo wurde durch einen Wasserwerfer lebensgefährlich verletzt.
    foto: reuters/ivan alvarado

    Der Student Rodrigo Aviles Bravo wurde durch einen Wasserwerfer lebensgefährlich verletzt.

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