Mit YouTube und Twitter russische Soldaten in der Ukraine entlarven

10. Juli 2015, 17:14
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Ein US-Thinktank veröffentlicht Bericht über russische Aktivitäten in der Ostukraine, der sich nur auf öffentliche Informationen beruft

Google Street View, Instagram, Twitter, Satellitenbilder, YouTube und das Facebook-ähnliche, russische VKontakte: Diese Plattformen helfen Geheimdiensten zusehends, für Aufklärung in kontroversen Situationen zu sorgen. Die sogenannte "Open Source Information" (OSINT) lässt sich auch durch reguläre Bürger nachvollziehen, ohne dass diese dazu elektronische Kommunikation überwachen (SIGINT) oder Kontakte zu Quellen (HUMINT) knüpfen müssen. Zahlreiche Profile russischer Soldaten sind etwa auf Instagram offen zugänglich, oft werden die einzelnen Bilder mit Ortsangaben versehen.

Truppenbewegungen rekonstruieren

So können Analysten rekonstruieren, wo sich Truppen aufgehalten und – anhand der Bildinhalte – was sie dort getrieben haben. Der neue Bericht "Hiding in Plain Sight" hat nun zahlreiche Erkenntnisse zusammengefasst. Publiziert wurde er vom Thinktank "Atlantic Council", das als einflußreich bei Nato und US-Regierung gilt. Allerdings betonen die Verfasser, dass sich alle Informationen nachvollziehen lassen. Jeder könne auf Google Earth gehen und die im Bericht präsentierten russischen Militärcamps entlang der ukrainischen Grenze sehen, zitiert die New York Times einen der Autoren des Berichts.

Quellentransparenz

Federführend beim Erstellen des Berichts war der renommierte Blogger Elliot Higgins, der bereits mit Enthüllungen zum Abschuss der MH-17 durch eine russische Buk für Aufsehen gesorgt hat. Im Netz ist Higgins zusehends zu einer kontroversen Figur geworden, gerade deshalb setzt er auf Transparenz bei seinen Quellen. Tatsächlich befinden sich etwa auf YouTube zahlreiche Videos, die Bewegungen russischer Militärkonvois in der Ostukraine zeigen.

Putin unter Druck

Andere Bilder beweisen, dass russische Soldaten nahe der Grenze Raketen gen Ukraine schießen. Auf Google Earth lassen sich dann entsprechende Krater identifizieren. Angeblich setzt auch US-Außenminister John Kerry auf Material aus Open Source-Quellen: Bei seinem letzten Zusammentreffen mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin konfrontierte er ihn mit Bildern aus sozialen Netzwerken, die beweisen, dass russische Soldaten in der Ukraine aktiv sind. (fsc, 10.7.2015)

  • Auf Satellitenbilder lässt sich der Standort russischer Camps identifizieren
    foto: screenshot/atlantic council

    Auf Satellitenbilder lässt sich der Standort russischer Camps identifizieren

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