Erhöhtes Sterberisiko für Dauer-Notfallpatienten

29. Mai 2015, 11:48
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Kanadische Forscher betonen, dass Dauer-Notfallpatienten eine Hochrisikogruppe sind, die gezielter und aktiver behandelt werden sollte

Es gibt sie zwar selten, aber doch: Menschen, die noch nie ein Krankenhaus von innen gesehen haben. Doch dann gibt es auch die, die regelmäßig Erfahrung mit Notarztwägen, Ärzten und Spitälern machen. Zum Beispiel, weil sie an hohem Blutdruck, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder an einer anderen komplexen Krankheit leiden.

Kanadische Forscher des Department of Emergency Medicine im Universitätsspital Alberta haben nun nachgewiesen, dass diese Dauer-Notfallpatienten ein mehr als doppelt so hohes Risiko haben zu sterben, ins Spital eingewiesen zu werden oder eine ambulante Versorgung zu benötigen als Durchschnittsbürger.

Bis zu 20-mal pro Jahr in der Notaufnahme

Die Wissenschaftler haben für die systematische Übersichtsarbeit Informationen über volljährige Notfallpatienten aus sieben elektronischen Datenbanken ausgewertet. In die finale Analyse wurden 31 von rund 4.000 potenziellen Studien miteinbezogen, die zwischen den Jahren 1990 und 2013 erschienen sind. Als "häufige Nutzer von Notfallstationen" wurden dabei solche Patienten definiert, die vier Mal pro Jahr oder öfter – bis zu 20-mal – in Notaufnahmen behandelt werden.

Sieben der 31 analysierten Studien befassten sich mit der Todesrate von Patienten. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Die Wissenschaftler resümieren, dass Dauer-Notfallpatienten ein mehr als doppelt so hohes Sterbe-Risiko haben als Menschen, die nur selten in Notfallbehandlung sind. Die weitere Analyse ergab, dass sie um zweieinhalb Mal häufiger ins Spital eingeliefert werden als andere Patienten.

Dauer-Notfallpatienten brauchen häufiger ambulante Versorgung

Darüber hinaus beschäftigten sich die Forscher mit zehn Studien zum Thema ambulante Weiterversorgung. Ihr Fazit: Dauer-Notfallpatienten benötigen nach ihrer Behandlung in der Notaufnahme mehr als zweieinhalb Mal so oft eine ambulante Versorgung als der Durchschnitts-Patient.

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass Dauer-Notfallpatienten eine Hochrisikogruppe sind, die besonders gezielt und aktiv behandel werden müssen. Schließlich machen sie jede zwölfte Notaufnahme aus. Allgemeine Empfehlungen sind aber schwierig, da diese Patientengruppe sehr heterogen ist, betonen die Forscher. (maka, 29.5.2015)

  • Als Dauer-Notfallpatienten definierten die Forscher Menschen, die mindestens viermal pro Jahr in Notaufnahmen behandelt werden.
    foto: reuters/chris wattie

    Als Dauer-Notfallpatienten definierten die Forscher Menschen, die mindestens viermal pro Jahr in Notaufnahmen behandelt werden.

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