Details der Anklage: Bestechung bei WM-Vergabe

28. Mai 2015, 11:49
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Zürich – Auf 161 Seiten zeichnen die US-Behörden in ihrer Anklage gegen 14 Beschuldigte ein erschreckendes Bild der Korruption im Weltfußball. In dem Schriftstück werden die einzelnen Schemata aufgeschlüsselt, wie im Geflecht von Bestechung, Schmiergeld und Geldwäsche die Summen steigen und immer mehr Funktionäre mitverdienen. Eine Auswahl aus Sicht der US-Justiz:

Copa America

1986 erwirbt das Unternehmen Traffic Brazil die weltweiten Vermarktungsrechte für die Südamerika-Meisterschaft. Fünf Jahre später fordert Conmebol-Präsident Nicolas Léoz für eine Vertragsverlängerung eine sechsstellige Summe an Schmiergeld. Ein namentlich nicht genannter Mitverschwörer #2 veranlasst die Zahlung eines sechsstelligen Dollarbetrags auf ein Konto, das Léoz zugeschrieben wird. Bis 2011 erhält er Zahlungen für jede Auflage des Turniers, diese erhöhen sich jedes Mal und erreichen einen Millionenbetrag. Für die weltweiten Vermarktungsrechte der vier Copa Americas von 2015 an werden insgesamt bereits Schmiergelder in Höhe von 110 Millionen an elf Conmebol-Offizielle vereinbart.

Gold Cup

Mithilfe des gleichen Mitverschwörers #2 wird ein System wie bei der Copa America aufgebaut. Traffic USA erwirbt von 1996 an für fünf Auflagen auch die Vermarktungsrechte der Nord- und Mittelamerika-Meisterschaft. Bis zum Turnier 2003 fließen hunderttausende Dollar Schmiergeld an Concacaf-Präsident Jack Warner. Diese werden ebenfalls über Mittelsmänner zu verschleiern versucht. Warners Nachfolger Jeffrey Webb erhält 1,1 Millionen für die Zusage der Rechte am Gold Cup und an der Concacaf Champions League 2012 an Traffic USA. Für die Turniere im folgenden Jahr sind es bereits zwei Millionen.

Copas Libertadores

Rund um 2000 hält Léoz auch hier die Hand auf und bekommt von einem Mitverschwörer #5 einer Sportmarketing-Agentur Schmiergeld- und Kickback-Zahlungen für die Werberechte an der südamerikanischen Königsklasse im Vereinsfußball. 2006 weist Léoz #5 an, aus dem Werbevertrag mit dem Conmebol mehr als zwei Millionen US-Dollar auf persönliche Konten in der Schweiz und in Paraguay zu lenken.

Brasilianische Nationalmannschaft

Ein multinationaler Sportausrüster aus den USA erwirbt 1996 um 160 Millionen Dollar für zehn Jahre die Ausrüsterrechte. Er stimmt zu, weitere 40 Millionen an eine Tochter von Traffic Brazil zu zahlen. Die Hälfte fließt als Schmiergeld von Mitverschwörer #2 an eine weitere namentlich nicht genannte Person. 2002 wird der Ausrüstervertrag vorzeitig aufgelöst.

WM-Vergabe 2010

Concacaf-Präsident Warner berichtet einem Mitverschwörer, dass hohe Fifa-Offizielle, die südafrikanische Regierung und das südafrikanische Bieterkomitee bereit seien, eine Zahlung von Südafrikas Regierung in Höhe von zehn Millionen Dollar an den CFU zu arrangieren. Diese soll "die afrikanische Diaspora unterstützen". Mitverschwörer #1 versteht, dass Warner, er selbst und Mitverschwörer #17 für Südafrika als Gastgeber der WM 2010 stimmen sollen. Warner deutet an, dass er das Angebot akzeptiert, und sagt Mitverschwörer #1 zu, eine Million Dollar weiterzureichen. Die südafrikanische Regierung soll die Zahlungen daraufhin jedoch nicht direkt aus Regierungstöpfen vornehmen können. In drei Margen weist ein hochrangiger Fifa-Funktionär an, dass zehn Millionen Dollar von einem Fifa-Konto in der Schweiz auf ein US-Konto fließen. Das Geld landet schließlich auf Konten im Namen des Karibischen Fußballverbands (CFU) und der Concacaf, kontrolliert von Warner, in Trinidad und Tobago. Durch Geldwäsche bei Mittelsmännern fließen Teile des Geldes schließlich zu Unternehmen in Trinidad und Tobago sowie Warners Privatkonten. Mitverschwörer #1 erhält mehr als 750.000 Euro von Warner.

Fifa-Präsidentenwahl 2011

Mitverschwörer #7, ein hoher Funktionär der Fifa und des asiatischen Verbands AFC, erklärt 2011 seine Kandidatur für das Fifa-Präsidentenamt. Ende April fließen 363.537,98 Dollar von einem Konto, das Mitverschwörer #7 kontrolliert, auf ein Konto des CFU, das Warner kontrolliert. Im Mai stellt #7 den CFU-Verbänden seine Kandidatur vor, Warner sagt den Funktionären, dass sie sich ein "Geschenk" abholen könnten. Die Repräsentanten erhalten jeweils einen Umschlag mit 40.000 US-Dollar. Als das System auffliegt und Warner von seinen Posten zurücktritt, veranlasst Mitverschwörer #7 eine Zahlung von mehr als 1,2 Millionen Dollar auf ein Konto, das Warner kontrolliert. (APA, 28.5.2015)

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