Athen: Tsipras sieht wieder rosa

28. Mai 2015, 07:38
10 Postings

Regierungschef Alexis Tsipras sieht sein Land kurz vor einem Durchbruch im Schuldenstreit, die Geldgeber sehen das anders

Athen - Griechenland und seine Gläubiger haben sich nach Worten von Wirtschaftsminister Giorgos Stathakis bei ihren Verhandlungen in wichtigen Punkten angenähert. Es bleibe aber noch einiges zu tun, bevor es eine Einigung gebe, sagte Stathakis am Mittwochabend im griechischen Fernsehen.

Regierungschef Alexis Tsipras hatte zuvor erklärt, sein Land stehe kurz vor einem Durchbruch im Schuldenstreit. Die Details würden bald präsentiert.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble äußerte sich daraufhin zurückhaltend zu Tsipras: Er sei "immer ein wenig überrascht, dass aus Athen immer so gesagt wird, wir stünden kurz vor einer Einigung". In der Sache seien die Verhandlungen noch nicht sehr viel weitergekommen, sagte er in der ARD. Griechenland ringt seit Monaten mit Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds um die Reformauflagen für weitere 7,2 Milliarden Euro, die eine Pleite abwenden sollen.

Geldgeber dämpfen Hofffnung

Griechenlands Geldgeber dämpfen ohnedies die Hoffnung Athens auf eine rasche Einigung über weitere Hilfen für das kriselnde Euroland. "Wir befinden uns im Arbeitsprozess, sodass ich nicht sagen würde, dass wir jetzt schon handfeste Ergebnisse erreicht haben, dass wir am Ende des Prozesses wären", sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, am Donnerstag in Dresden vor Beratungen mit den G-7-Finanzministern und -Notenbankchefs.

Auch aus Kreisen der Europäischen Zentralbank (EZB), die gemeinsam mit dem IWF und der EU-Kommission über die griechischen Reformfortschritte wacht, hieß es am Donnerstag, man sei noch weit weg von einer Einigung. Die Fortschritte seien zu langsam.

Lagarde sagte im ARD-"Morgenmagazin" zwar, es habe eindeutig Bewegung in unterschiedlichen Bereichen gegeben. "Aber es gibt immer noch sehr viel Arbeit, die getan werden muss", betonte die IWF-Chefin.

EZB winkt mit Erleichterungen

Die Europäische Zentralbank könnte nach Informationen aus Bankenkreisen der Regierung in Athen aber im Falle einer Einigung im Schuldenstreit die Geldaufnahme am Kreditmarkt erleichtern. Die Obergrenze für die Ausgabe von Geldmarktpapieren könnte angehoben werden, wenn es glaubhaft sei, dass die Eurozone die ausstehenden Hilfsgelder zahlen werde, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Mittwoch.

Ein entsprechendes Signal könne sein, wenn die EZB und nationale Notenbanken 1,9 Milliarden Euro an Gewinnen überwiesen, die sie mit griechischen Staatsanleihen erzielt hätten. Die EZB wollte dazu keine Stellung nehmen.

Die Ausgabe von Geldmarktpapieren mit kurzer Laufzeit ist die einzige Möglichkeit für die Regierung in Athen, sich am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen. Die von den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds gesetzte Obergrenze von 15 Milliarden Euro ist aber ausgeschöpft. (APA, 28.5.2015)

  • Welche Zugeständnisse die Griechen machen müssen, darüber gehen die Meinungen weiterhin auseinander. Die Bilder der Armut werden so rasch nicht verschwinden.
    foto: ap

    Welche Zugeständnisse die Griechen machen müssen, darüber gehen die Meinungen weiterhin auseinander. Die Bilder der Armut werden so rasch nicht verschwinden.

Share if you care.