Wiener Gemeindespitäler: Wehsely geht auf Kammer zu

27. Mai 2015, 17:35
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Designierter Med-Uni-Rektor Müller: "Zeit der billigen Ärzte ist vorbei"

Wien – Die Streikdrohung hat gewirkt. Kaum war das Abstimmungstool für einen Streik der AKH-Ärzte online, trudelte ein neues Angebot von Wolfgang Schütz, Noch-Meduni-Rektor, ein. Ein paar Tage später, Dienstagabend, konnte eine Einigung erzielt werden, zuvor waren monatelange Verhandlungen ohne Ergebnis verstrichen.

Aber auch bei den Wiener Gemeindespitälern (KAV) gibt es Bewegung. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) hat Vertreter der Ärztekammer zu einem Gespräch für heute, Donnerstag, eingeladen, obwohl sie angekündigt hatten, den Dienstvertrag für die KAV-Ärzte ohne Standesvertretung umsetzen zu wollen.

Thomas Szekeres, Wiener Ärztekammerpräsident, der sich zuletzt von den Verhandlungen mit der Gesundheitsstadträtin zurückgezogen hatte, fühlt sich durch die AKH-Einigung gestärkt und hofft auf ein Einlenken der Ressortchefin. Er habe den Eindruck, dass Wehsely eine Streikabstimmung im KAV verhindern will.

Neue Forderungen der Ärztekammer

Szekeres wird gemeinsam mit seinem Vize Hermann Leitner und Kammeramtsdirektor Thomas Holzgruber an den Gesprächen teilnehmen. Bereits vor zwei Wochen hat die Ärztekammer ihre Forderungen nachgebessert. Die Standesvertretung verlangt von Wehsely ein Bekenntnis, dass keine Stellen in den Gemeindespitälern abgebaut werden. "Es gibt keinen Spielraum", sagt Szekeres zum STANDARD. Der Betrieb sei auch bei gleichbleibendem Personal kaum aufrechtzuerhalten. Außerdem sollen die KAV-Ärzte über ihre Dienstmodelle mitentscheiden können, wie es auch im AKH der Fall ist. Zusätzlich werden Fachärzte für die Notfallversorgung benötigt, da Dienste nicht mehr besetzt werden können. Neben Zulagen für Nacht- und Wochenenddienste wird auch eine Anhebung der Gehälter für Primarärzte verlangt, die laut Szekeres derzeit unter jenen für Fachärzte liegen.

Die Einigung für das AKH, die nun auch vom Unirat abgesegnet wurde, war ebenfalls vom Einlenken Wehselys abhängig. Nicht nur die Gehaltsanpassung für Ärzte war entscheidend für die Zustimmung des Betriebsrats, sondern auch die Umsetzung des mitverantwortlichen Tätigkeitsbereichs bis Jahresende. Für den Pflegebereich im AKH ist die Stadt Wien verantwortlich. Damit die diplomierten Pflegekräfte Ärzte bei Routinetätigkeiten entlasten können, werden mit Anfang Juli 85 Abteilungshelfer und Stationssekretäre eingestellt. Die Pflege ist dann für alle Blutabnahmen zuständig.

Zeit der "billigen Ärzte" vorbei

Das war für Betriebsrat Martin Andreas ein wesentlicher Punkt für die Umstellung auf die 48 Stunden Woche für Ärzte. Die Anhebung des Grundgehalts stand fest, Streitpunkt war eben, ob sie rückwirkend ab Anfang 2015 in Kraft trete. Das soll nun die Einmalzahlung von 8000 Euro ausgleichen. Anfang 2016 wird das Grundgehalt um 20 Prozent erhöht, 2019 um zehn Prozent.

Für Markus Müller, designierter Meduni-Rektor ist damit die Zeit der "billigen Ärzte" vorbei, die Gehaltsanpassung sei lange notwendig gewesen, damit der Lohn international vergleichbar sei. Das Gehaltsplus müsse im Unibudget berücksichtig werden. Gleichzeitig fordert Müller bis zu 30 Prozent mehr Personal, um die verdichteten Dienstzeiten auszugleichen. (mte, 27.5.2015)

  • Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely will nun doch wieder mit der Ärztekammer verhandeln.
    foto: apa/pfarrhofer

    Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely will nun doch wieder mit der Ärztekammer verhandeln.

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