Schützenhöfer schleicht sich an Voves heran

28. Mai 2015, 05:30
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Es könnte eng werden für Franz Voves. Noch hält er seinen Regierungspartner Hermann Schützenhöfer auf Distanz, der Abstand wird aber immer kleiner. Nicht auszuschließen, dass die ÖVP am steirischen Wahltag vorne liegt

Graz – Hermann Schützenhöfer blickt in letzter Zeit auffällig verschmitzt drein. Und was seinem Naturell fast entgegenläuft: Er ist richtig locker. Das muss Franz Voves schwer zu denken geben.

Es war vor genau fünf Jahren, als Schützenhöfer 2010 das erste Mal gegen Franz Voves antrat. Die gesammelte ÖVP-Bundesprominenz war nach Graz angerauscht gekommen, um Feuer in den Wahlkampf dieses ziemlich blassen und hölzern wirkenden Spitzenkandidaten Hermann Schützenhöfer zu bringen. Er fühlte sich als Frontmann sichtlich unwohl. Franz Voves und die SPÖ gewannen knapp und Schützenhöfer nistete sich wieder in seine gewohnte Rolle als Zweiter ein.

Wie anders doch die Szenerie 2015, fünf Jahre danach. Ein gelöst wirkender ÖVP-Chef Schützenhöher genießt den Wahlkampf. Er schleicht sich, so hat es den Anschein, angespornt durch gute Umfragen, langsam im Windschatten an Voves heran, der mit seiner SPÖ bisher konstant zwei, drei Prozent vor der ÖVP lag.

SPÖ aus dem Ruder

Seit den Gemeinderatswahlen, als die ÖVP gegen die Erwartungen überraschend gut abgeschnitten hat, rührt sich wieder etwas in der schon tot geglaubten Partei. Der Abstand zur SPÖ hat sich in den letzten Wochen zunehmend verringert und plötzlich lebt in der ÖVP die Hoffnung, die als historischen Unfall empfundene Niederlage von 2005 gegen Franz Voves wieder korrigieren zu können. Die SPÖ hingegen läuft seit den Gemeinderatswahlen ziemlich aus dem Ruder. Sie verlor in der Obersteiermark flächendeckend an die FPÖ - in einem Ausmaß, das selbst altgediente Genossen zum Schaudern brachte. Dazu kommen die durch die Gemeindefusionen ausgelösten internen, schweren Konflikte unter obersteirischen Roten und die Nachwirkungen des Sparkurses, der vor allem den Sozialbereich, also SPÖ-Klientel, traf. Und jetzt muss sich Voves ernsthaft Sorgen machen, ob sein Landeshauptmannbonus ausreichen wird, um Schützenhöfer bis zur Wahl am Sonntag auf Distanz halten zu können.

Die blaue Gefahr

Es ist nicht nur der schlaue Wahlkämpfer Schützenhöfer, der der SPÖ langsam Sorgen macht, sondern eben diese "blaue Gefahr". Seit den Nationalratswahlen Europawahlen und aktuell den Gemeinderatswahlen im März, sägt die FPÖ am Stützapparat der steirischen Sozialdemokraten. In den seinerzeitigen Arbeiterbezirken der Schwerindustrie der Obersteiermark laufen ehemalige SPÖ-Wähler unvermindert zur FPÖ über. Eine Bewegung, die eigentlich schon 1986, als Jörg Haider die FPÖ übernahm, eingesetzt hat, gegen die die SPÖ aber bis heute kein Rezept gefunden hat. Der andere Teil der ehemaligen Genossen wendet sich der KPÖ zu. Zudem leidet die SPÖ unter einem krassen Mobilisierungsproblem im Kerngebiet.

Nervosität

Den Level der Nervosität bei Voves und der SPÖ illustrieren ganzseitige Inserate, die seit Tagen in den lokalen Medien erscheinen. Voves wendet sich direkt an den FPÖ-Herausforderer Mario Kunasek mit den Worten "Bitte bleiben sie bei der Wahrheit, Herr Kunasek". Die FPÖ publiziert seit Wochen einen Einkommensvergleich zwischen einer Familie mit Asylstatus und einer österreichischen "Hacklerfamilie". Mit Mindestsicherung und Beihilfen stehen am Ende des Monats in etwa gleiche Summen am Konto. Die Gegenüberstellung ist aber so platziert, als bekäme nur eine Familie mit Asylstatus diese Zuwendung, diese steht aber allen Österreichern zu. Da diese entscheidende Differenzierung am Stammtisch aber kaum wahrgenommen wird, reagierte die SPÖ jetzt mit ganzseitigen Aufklärungen. Eine Notwehrreaktion, nachdem irritierte Genossen ihren Unmut in der Parteizentrale in Graz abluden.

Landeshauptmann-Bonus

In der SPÖ werden jedenfalls schon Untergangszenarien gemalt. Denn wenn die Partei in der Obersteiermark so dramatisch, wie in Umfragen vorausgesagt, einbricht und auch Graz, wo die SPÖ extrem schwächelt, als Rettungsanker nicht greift, ist nicht ausgeschlossen, dass nach dem zehnjährigen Intermezzo einer roten Steiermark wieder die "alte Ordnung" eine ÖVP-geführter Steiermark hergestellt wird. Trotz rotem Landeshauptmann-Bonus

"Schützi", wie der ÖVP-Chef in der Steiermark gerufen wird, ist, dies ahnend, wohl gerade deswegen so heiter gelöst in diesen letzten Wahlkampftagen. (Walter Müller, 28.5.2015)

  • Im Wahlkampffinale wirkt der steirische Landeshauptmann Franz Voves zunehmend nachdenklicher. Der erste Platz scheint ernsthaft in Gefahr zu sein.
    foto: apa/scheriau

    Im Wahlkampffinale wirkt der steirische Landeshauptmann Franz Voves zunehmend nachdenklicher. Der erste Platz scheint ernsthaft in Gefahr zu sein.

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