Auch bei Zentralmatura sind Buben in Mathematik besser

27. Mai 2015, 16:42
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Eine erste Auswertung zeigt Geschlechterunterschiede, die Ministerin sieht Handlungsbedarf

Wien – Burschen sind in Mathematik besser – zumindest wenn man nach den ersten Ergebnissen der schriftlichen Zentralmatura geht. Während 12,6 Prozent der Mädchen durchfielen, haben nur 7,6 Prozent der Buben die Mathematik-Matura nicht bestanden. Dieser Gender-Gap wurde bereits bei der Bildungsstudie Pisa 2012 erhoben. Damals lagen die Leistungen der Schülerinnen der neunten Schulstufe ein halbes Schuljahr hinter den Buben zurück.

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), die auch Frauenministerin ist, will diese Ergebnisse nun "ganz genau anschauen", heißt es aus ihrem Büro gegenüber dem STANDARD. "Es gibt sicher Handlungsbedarf."

Für Eckehard Quin, AHS-Lehrergewerkschafter, ist der Unterschied zwischen Mädchen und Buben durchaus überraschend. "Mädchen haben bessere Lesekompetenzen, die Mathematik-Aufgaben sind sehr textlastig."

Die meisten Fünfer in Mathe

Mathematik ist nicht nur das Fach mit dem größten Gender-Gap, sondern auch jenes, in dem die meisten Schüler einen Fünfer kassiert haben. Insgesamt sind nach einer Auswertung von knapp 96 Prozent aller Ergebnisse etwas mehr als zehn Prozent durchgefallen. Die Englisch-Matura bestanden rund sechs Prozent nicht, die Deutsch-Matura drei Prozent (siehe Grafik). Ihre Fünfer können sich die Maturanten bei einer Kompensationsprüfung am 1. und 2. Juni ausbessern.

Grundsätzlich sind die Ergebnisse der neuen Matura nicht schlechter als jene der alten. Zwar gibt es keine Vergleichsdaten, aber als Faustregel gilt, dass früher zehn bis 15 Prozent der Schüler bei der schriftlichen Mathematik-Matura durchgefallen sind.

Beim Bundesländervergleich zeigt sich, dass die oberösterreichischen Schüler besonders gut abschneiden. 93,7 Prozent haben die Matura im Mathematik bestanden, 96,6 Prozent die Englisch-Matura. Nur in Deutsch überholen die Kärntner die Oberösterreicher.

Vorarlberger schlechter

Am anderen Ende der Leistungsskala steht Vorarlberg. Hier sind 15,3 Prozent in Mathematik und vier Prozent in Deutsch durchgerasselt. Auch in Wien und Salzburg haben rund 14 Prozent in Mathematik nicht bestanden. In Englisch waren die burgenländischen Maturanten mit einer Durchfallquote von knapp zehn Prozent am schlechtesten.

In den nächsten Wochen werden die Ergebnisse auch auf Notenebene veröffentlicht. Bisher gibt es nur Zahlen zu Mathematik, allerdings erst nach einer Rücklaufquote von 84 Prozent. Demnach haben zwölf Prozent der Maturanten ein Sehr gut, 23,2 Prozent ein Gut, 35,9 Prozent ein Befriedigend, 18,6 Prozent ein Genügend und 10,3 Prozent ein Nicht genügend bekommen.

Nicht veröffentlicht werden die Ergebnisse der Matura an einzelnen Schulen. Es werden weiterhin nur jene auf Bundesländerebene öffentlich gemacht, heißt es aus dem Büro Heinisch-Hoseks. "Unser Ziel ist nicht ein populistisches Schulranking." Bei der Zentralmatura gehe es nicht darum, "ganze Schulen öffentlich zu diskreditieren und in Verruf zu bringen". Aufgabe in den Schulbehörden der Länder werde aber sein, Schule für Schule, Klasse für Klasse die Resultate anzusehen und allenfalls bei auffälligen Ergebnissen für die kommenden Jahre Gegenmaßnahmen einzuleiten. Auch eine Evaluierung aller Ergebnisse sei nach dem offiziellen Ende der mündlichen Matura vorgesehen.

Auch Lehrergewerkschafter Quin spricht sich gegen eine Veröffentlichung auf Schulebene aus. "Das würde dazu führen, dass sich Ghettoschulen bilden." Im Schulumfeld seien die Ergebnisse ohnehin bekannt.

Bundesschulsprecher Lukas Faymann würde eine Liste mit den Ergebnissen jeder Schule im Sinne der Transparenz zwar gerne sehen, kann aber auch die Argumente des Ministeriums nachvollziehen. Er spricht sich dafür aus, dass Schüler-, Eltern- und Lehrervertreter alle Daten einsehen und bei den Verbesserungen helfen. Zudem fordert er eine "gezielte Förderung der schwächeren Schulen mit zusätzlichen Mitteln". (Lisa Kogelnik, 27.5.2015)

  • Unterschiedliche Ergebnisse bei Mädchen und Buben veranlassen die Ministerin zum Handeln.

    Unterschiedliche Ergebnisse bei Mädchen und Buben veranlassen die Ministerin zum Handeln.

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