Wie Hormone Aufmerksamkeit steuern

27. Mai 2015, 15:58
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Ein Forschungsprojekt an der Uni Salzburg untersucht den Zusammenhang zwischen weiblichen Geschlechtshormonen und Hirnaktivität

Das Sexualhormon Progesteron beeinflusst deutlich die Aufmerksamkeit. Je höher der Spiegel dieses Hormons, desto größer war bei Tests die Aufmerksamkeit, desto kürzer die Reaktionszeit und desto geringer die Fehlerzahl, stellten Salzburger Forscher bei einer Untersuchung von 20 jungen Frauen fest, deren Ergebnisse sie im Fachjournal Brain Research veröffentlicht haben.

Der Neurobiologe Hubert Kerschbaum vom Fachbereich Zellbiologie und vom Zentrum für neurokognitive Forschung hat mit Christina Brötzner und in Kooperation mit dem physiologischen Psychologen Wolfgang Klimesch (alle Uni Salzburg) untersucht, wie weibliche Geschlechtshormone, Hirnaktivität und Aufmerksamkeit zusammen hängen.

Sie haben dazu bei den Frauen drei Mal während des 28 Tage umfassenden Menstruationszyklus den Hormonstatus, die elektrophysiologische Aktivität des Gehirns (EEG) und die Aufmerksamkeit gemessen.

Schwankungen als Grundprinzip

In der ersten Zyklusphase, also während der Monatsblutung, sind die Progesteron- und Östradiolspiegel niedrig. In der Mitte des Zyklus, rund um den Eisprung, ist das Östradiol - das zur Hormongruppe der Östrogene gehört - erhöht und das Progesteron ist noch niedrig. "Schließlich sind in der zweiten Zyklusphase beide Hormone erhöht", erklärte Kerschbaum gegenüber der APA. Es zeigte sich, dass diese zyklischen Hormonschwankungen auch zyklische Schwankungen bei kognitiven Prozessen verursachen.

Frauen mit generell hohem Progesteronspiegel schnitten bei den Aufmerksamkeits- und Reaktionstests laufend besser ab als Frauen mit einem generell niedrigen Spiegel dieses Hormons. Einen Zusammenhang zwischen dem Östrogenspiegel und der Aufmerksamkeit haben die Wissenschafter dagegen nicht gefunden.

Die Forscher zeigten zudem im EEG, dass Progesteron die elektrische Aktivität in der Großhirnrinde moduliert. Das Hormon verstärkt die Aktivität von hemmenden Netzwerken, die sogenannten Alphaschwingungen. "Das könnte dazu führen, dass irrelevante Informationen stärker unterdrückt werden und die Aufmerksamkeit vermehrt auf relevante gerichtet wird", so Kerschbaum.

Einfach Zeit lassen

Allfälligen Überlegungen, die Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit durch künstliche Progesteron-Gaben zu erhöhen, steht Kerschbaum skeptisch gegenüber. Bei Menschen mit Progesteronmangel könnten nicht genügend entsprechende Andockstellen (Rezeptoren) für das Hormon vorhanden sein, eine Wirkung des Hormonersatzes würde dann ausbleiben.

Dagegen hat er einen einfachen Rat zur Vermeidung von Fehlern, zumindest für einfache Aufgaben: einfach sich Zeit lassen. Denn Frauen, die sich in der Studie bei einfachen Aufmerksamkeitsaufgaben mehr Zeit ließen, wiesen eine ähnlich geringe Fehlerhäufigkeit auf wie Frauen, die rascher reagierten. Ob diese Strategie auch bei schwierigen Aufgaben hilft, wollen die Forscher in weiteren Studien überprüfen. (APA, 27.5.2015)

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