Länderunterschiede bei privater Flüchtlingsaufnahme

28. Mai 2015, 08:38
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Projekt in Niederösterreich unterstützt, dass Asylwerber direkt aus Erstaufnahmezentrum zu Privatleuten ziehen - In Kärnten keine Option

Graz/Klagenfurt/Wien - Angesichts der Nachrichten über Zeltstädte für Flüchtlinge bieten zahlreiche Österreicher privat Bett, Zimmer oder Wohnung zur Unterbringung von Asylsuchenden an. Je nach Bundesland sind solche Kleinstquartiere unterschiedlich willkommen. In Niederösterreich ist man offen dafür, dass Asylwerber einzeln oder im engen Familienverband direkt aus Traiskirchen in private Zimmer oder Wohnungen übersiedeln. Seit Juli 2014 läuft dort ein Projekt der Diakonie mit dem Land, in dessen Rahmen bisher 375 Personen in Privathaushalte zogen.

"Die Flüchtlingsfamilien suchen etwas Stabiles, wo sie länger bleiben können. Normalerweise bleiben sie nicht nur ein paar Monate", gibt Roberta Rastl, Sprecherin der Diakonie, zu bedenken. Empfohlen wird, möglichst abgeschlossene Wohneinheiten zur Verfügung zu stellen, um Konfliktsituationen vorzubeugen. Oft handle es sich ja um traumatisierte Menschen. Die Diakonie überprüfe vorab die Räumlichkeiten, ihre öffentliche Anbindung und die Nähe zu einem Nahversorger. Angebote, die zu wenig Privatsphäre bieten oder in schlechtem Zustand sind, kämen nur vereinzelt vor, sagt Rastl. 19 Euro Taggeld erhält ein Quartiergeber bei Vollversorgung eines Flüchtlings.

"Nicht so üblich" bei Steirern

Auch in der Steiermark ist ein direkter Umzug vom Erstaufnahmezentrum in Kleinstquartiere möglich. Etwa drei Viertel der Asylwerber befinden sich in dem Land in größeren, betreuten Einheiten. "Die private Unterbringung ist in der Steiermark nicht so üblich wie in Niederösterreich", sagt Heinrich Fischer, Sprecher der Sozialabteilung des Landes.

In Kärnten können Flüchtlinge nicht direkt aus dem Erstaufnahmezentrum in eine private Bleibe ziehen. Zuerst müssen sie in ein "organisiertes Quartier". Eine eigene Wohnung zu mieten wird einzelnen Asylwerbern nach einiger Zeit schon ermöglicht, sagt Barbara Payer vom Flüchtlingsreferat. Die Betreffenden sollten aber schon etwas Deutsch sprechen und sich orientiert haben.

"Gewisse Standards"

Derzeit bewohnen 280 von 2190 Asylwerbern in Kärnten Privatwohnungen. Privates Unterbringen Einzelner bei Vollversorgung ist nicht möglich, da Flüchtlingsquartiere wöchentlich zu überprüfen sind. Dahingehend, "ob gewisse Standards eingehalten werden", sagt Payer. Daher müssten es mindestens 15 Personen je Unterbringung (und maximal 50) sein. In Privathaushalten "wären die Leute mehr sich selbst überlassen", gibt Payer zu bedenken. Das könne zum Beispiel bei Behördenwegen Probleme bereiten.

In Wien sucht die Caritas Wohnungen "vor allem für anerkannte Flüchtlinge", wie Caritas-Sprecher Martin Gantner sagt. Vereinzelt zögen Flüchtlinge in Wien schon während des Verfahrens in private Haushalte. Da sie während des Asylverfahrens nicht arbeiten dürfen, sei es dann aber auch mit positivem Asylbescheid schwierig, rasch eine leistbare Wohnung zu finden, für die keine Kaution und Provision zu zahlen ist. Anerkannte Flüchtlinge fallen, vier Monate nachdem sie Asyl bekommen haben, aus der Grundversorgung. Sie können dann aber Mindestsicherung beantragen. (Gudrun Springer, 28.5.2015)

  • Private Kleinstunterkünfte statt Zeltplanen: Nicht in jedem Bundesland sind kleine Privatunterkünfte als breite Lösung willkommen.
    foto: apa/barbara gindl

    Private Kleinstunterkünfte statt Zeltplanen: Nicht in jedem Bundesland sind kleine Privatunterkünfte als breite Lösung willkommen.

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