Amnesty wirft Hamas Kriegsverbrechen vor

27. Mai 2015, 07:35
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Zivilisten im Gaza-Krieg festgenommen, entführt und getötet

Gaza – Amnesty International hat der islamistischen Hamas Kriegsverbrechen gegen palästinensische Zivilisten im Gazastreifen während des Krieges mit Israel im vergangenen Jahr vorgeworfen. Der Kollaboration mit Israel verdächtigte Palästinenser seien entführt, gefoltert und umgebracht worden, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Die Taten seien aus Rache verübt worden und hätten Angst im Gazastreifen verbreiten sollen.

Opfer saßen teilweise schon lange im Gefängnis

Amnesty konnte insgesamt 23 Hinrichtungen durch Hamas-Leute verifizieren. Mindestens sechs davon wurden durchgeführt, ohne dass es vorher eine Form der Anklage gegeben hatte. Die übrigen Opfer waren teilweise schon jahrelang für ihre mutmaßliche Kollaboration mit Israel im Gefängnis und hatten ihre Strafe schon fast abgesessen. Einer der Angehörigen berichtete allerdings: "Die Bewohner Gazas dachten, dass die hingerichteten Männer auf dem Schlachtfeld festgenommen worden waren, deshalb waren sie glücklich. Als sie jedoch herausfanden, dass diese Männer schon lange im Gefängnis saßen, einige für vier Jahre, änderte sich ihre Einstellung."

17 der bestätigten Hinrichtungen ereigneten sich nur einen Tag nachdem drei Militärkommandanten der Hamas durch die israelischen Luftanschläge getötet worden waren. Einige davon vor hunderten Zuschauern vor einer Moschee statt, in der die Hamas zuvor noch die Einrichtung sogenannter Revolutionsgerichte verkündet hatte, die ihnen nun erlaube, die mutmaßlichen Verräter zu töten. Die Beschuldigten wurden kniend von Männern mit schwarzen Masken durch einen Kopfschuss getötet, anschließend wurden ihre Leichen durch die Verwendung von automatischen Waffen weiter zugerichtet.

Folter an Fatah-Unterstützern

Auch gegen Mitglieder der Fatah und ehemalige Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde ging die Hamas mittels Entführungen und Folter vor. Der Fatah nahestehende Nachrichtenquellen veröffentlichten im Juli 2014 eine Liste mit 300 Menschen, die von der Hamas verfolgt, angeschossen, zusammengeschlagen, entführt und gefoltert sowie unter Hausarrest gestellt worden seien, weil sie Unterstützer der Fatah waren. Einige von ihnen konnte Amnesty ausfindig machen und zu ihrem Martyrium befragen.

Für die Untersuchung und Aufarbeitung der Vorfälle konnte Amnesty keine Delegation nach Gaza entsenden, sondern war auf die Unterstützung eines Mitarbeiters angewiesen, der vor Ort die Interviews führte. Amnesty erhielt bis dato keine Antwort der palästinensischen Behörden auf die Vorwürfe.

Im März hatte Amnesty auch Israel Kriegsverbrechen während des Konflikts vorgeworfen. Der Krieg dauerte 50 Tage und endete im August. Nach palästinensischen Angaben wurden mehr als 2.100 Palästinenser getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Israel gab die Zahl seiner Todesopfer mit 67 Soldaten und sechs Zivilisten an. (tee, APA, 27.5.2015)

  • Aufmarsch der Hamas in Gaza im Dezember 2014.
    foto: ap/hamra

    Aufmarsch der Hamas in Gaza im Dezember 2014.

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