Neuer Med-Uni-Rektor: Diplomatischer Mediziner mit Slalomtalent

Kopf des Tages27. Mai 2015, 07:12
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Markus Müller legt die Leitung der klinischen Pharmakologie zurück, um an einer gerechteren Verteilung von Forschungsmitteln zu arbeiten

Es scheint, als habe dieser Mann keine Feinde: Freundlich, professionell, international vernetzt, zielstrebiger Arbeiter mit partizipativem Führungsstil, transparent in seinen Entscheidungen, auf Augenhöhe mit dem Pflegepersonal, ohne Star-Allüren: So wird Markus Müller, der neue Rektor der Med-Uni Wien, von Kollegen beschrieben. Er selbst sagt in Anbetracht von so viel Lob diplomatisch: "Es ist gut, wenn man im Haus bekannt ist."

Bekannt ist der 47-jährige bisherige Vizerektor für Forschung auch wegen dieser seiner Diplomatie. Er sei bis zuletzt einer der wenigen gewesen, der mit dem scheidenden Rektor Wolfgang Schütz ausgekommen sei, heißt es an der Med-Uni. Verbindlich und sachorientiert – ohne ein Schleimer zu sein. Freilich soll es hinter den Kulissen auch gekracht haben, etwa, wenn es um Personal und Forschungsmittel ging.

Der gebürtige Kärntner muss das Forschen, für das er sich seit seiner Schulzeit im Wiener Theresianum und seiner persönlichen Bekanntschaft mit dem Chemie-Nobelpreisträger Max Perutz interessiert, vorerst aufgeben. Die Leitung der klinischen Pharmakologie muss er zurücklegen – das sei der Preis, den er persönlich zahle, sagt Müller.

"Mehr Spitzenleistungen"

Warum er ihn zahle? Er gehöre einer neuen Generation von Medizinern an, sagt Müller zum STANDARD: "Wir wollen nicht länger, dass jemand anderer unsere Zukunft gestaltet." Einiges sei in der Vergangenheit "nicht optimal" gelaufen. Daher habe er sich beworben. Die dissonanten Nebengeräusche seiner Bestellung hätten gezeigt, "wie viele Leute ihre eigene Agenda bei der Med-Uni haben". Neben einer gerechteren Verteilung von Forschungsmitteln und "der Auflösung des Infrastruktur-Staus" will sich der neue Rektor auch dafür einsetzen, dass "weniger die Skandale und mehr die medizinischen Spitzenleistungen" der Med-Uni in der Öffentlichkeit bekannt werden, wie er sagt.

Dass ihn eine Mammut-Aufgabe erwartet, sei ihm und seiner Familie bewusst, sagt Müller. So fit wie in Jugendtagen, als er Vize-Staatsmeister im Wasserski-Slalom war, sei er zwar nicht mehr, aber er sei ein "leidlicher Skifahrer", und er achte auf tägliche Bewegung. Am liebsten auf dem Heimweg, vom AKH im 9. zurück in den 4. Bezirk, wo er mit seiner Frau, einer Arbeitsmedizinerin, und seinen zwei Söhnen wohnt. Gestoppte Zeit im Laufschritt: 45 Minuten. Er wird sie wohl künftig zu noch späterer Stunde als bisher zurücklegen. (Petra Stuiber, 27.5.2015)

  • Der gebürtige Kärntner Markus Müller widmet sich einer Mammutaufgabe: der Leitung der Med-Uni Wien.
    foto: apa/meduni wien/felicitas matern

    Der gebürtige Kärntner Markus Müller widmet sich einer Mammutaufgabe: der Leitung der Med-Uni Wien.

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