Verschleißerscheinungen in Chinas Wirtschaft

26. Mai 2015, 18:17
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Das geringere Wachstum in China, kombiniert mit rasant steigender privater Verschuldung, droht die Wirtschaft zu bremsen

Peking/Washington - Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zeigt nach jahrzehntelangem Aufstieg deutliche Verschleißerscheinungen. Der Umbau von einer exportorientierten zu einer vom Binnenmarkt getriebenen Wirtschaft, stellt China vor ernsthafte Probleme - insbesondere die Kombination mit einer stark steigenden privaten Verschuldung birgt Gefahren in sich.

Nachdem das Wachstum im Reich der Mitte im Vorjahr mit 7,4 Prozent bereits den geringsten Wert seit einem Vierteljahrhundert ausgewiesen hatte, steht heuer ein weiterer Dämpfer bevor. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet nur noch mit einer um 6,8 Prozent höheren Wirtschaftsleistung, obwohl sich der deutlich tiefere Ölpreis auch in China heuer fördernd auf die Binnennachfrage auswirken sollte.

Verschuldung stark gestiegen

Was für europäische Verhältnisse trotz allem nach Schlaraffenland klingt, birgt freilich das Risiko in sich, dass die Wachstumsverlangsamung verselbstständigen könnte. Nicht umsonst rät der IWF der Führung in Peking, die selbst mit sieben Prozent BIP-Plus rechnet, unterstützend einzuschreiten, sollte sich für heuer doch ein Wachstum von unter 6,5 Prozent abzeichnen. Für 2016 rechnet der Währungsfonds ohnedies nur noch mit 6,25 Prozent Wachstum.

Probleme bereitet vor allem die private Verschuldung, die in den Jahren seit 2007 laut einer McKinsey-Studie nirgends so stark zugenommen hat wie in China: Demnach haben sich inklusive Finanzsektor die privaten Schulden mit 111 Prozent Zuwachs bis 2014 mehr als verdoppelt.

Schattenbanken

Dabei zeigt der jahrelange Kreditboom einige beunruhigende Details: etwa dass viel fremdfinanziertes Geld in den ohnehin schon stark angeheizten Immobiliensektor geflossen oder dass fast ein Drittel der ausständigen Schulden auf Schattenbanken zurückzuführen ist. Dabei handelt es sich um Ausleihungen, die nicht in den Bilanzen der offiziellen Finanzinstitute aufscheinen, sondern zumeist über Vehikeln lokaler Verwaltungen laufen. Sorgen bereitet auch der Umstand, dass das überbordende Kreditwachstum zeitlich mit einer Phase abnehmender Konjunkturdynamik zusammenfällt.

Nach jahrzehntelangem, meist zweistelligem Wachstum, steigt die Gefahr, dass bei zahlreichen Investitionen die zugrunde gelegten Konjunkturannahmen zu optimistisch waren, insbesondere im Immobiliensektor. Für eine Volkswirtschaft wie in China, wo Investitionen aus dem Ausland laut OECD 6,1 Prozent zur jährlichen Wirtschaftsleistung beisteuern, schlägt dies besonders stark auf die Nachfrage durch.

Yuan nicht unterbewertet

Zudem droht Auslandsinvestoren ohnedies eine ruppigere Zukunft, sollte sich Chinas Regierung an die Empfehlung des IWF halten, den bisher gemanagten Wechselkurs des Yuan in zwei bis drei Jahren den freien Marktkräften zu überlassen. Aktuell hält der Währungsfonds die chinesische Währung nämlich nicht mehr für unterbewertet, nachdem der Yuan gemäß der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in den vergangenen fünf Jahren effektiv um 33 Prozent zugelegt hat. Eine stark schwankungsfreudige Währung würde freilich die Investitionsneigung aus dem Ausland künftig zusätzlich dämpfen.

Chinas Wirtschaft muss nicht zwingend auf eine Zukunft zusteuern wie die USA, Portugal oder Irland, die von 2000 bis 2007 ebenfalls starke Anstiege der privaten Verschuldung erfahren hatten und daraufhin von der Finanzkrise eiskalt erfasst wurden. Allerdings besteht die Gefahr, dass die hohen privaten Schulden dem Nachfragewachstum im Reich der Mitte künftig das Wasser abgraben. (Alexander Hahn, 26.5.2015)

  • Wenn der Boom zurückschlägt: Bei vergleichsweise schwächelnder Konjunktur im Reich der Mitte droht das Nachfragewachstum aufgrund der hohen privaten Verschuldung sanft zu entschlafen.

    Wenn der Boom zurückschlägt: Bei vergleichsweise schwächelnder Konjunktur im Reich der Mitte droht das Nachfragewachstum aufgrund der hohen privaten Verschuldung sanft zu entschlafen.

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