Menschenschmuggel: Das illegale Reisebüro der AUA-Privatsheriffs

26. Mai 2015, 17:42
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Mit ihren Mitarbeiterausweisen dürften AUA-Securitys das Zugangssystem für den Wiener Flughafen ausgetrickst haben. In die USA geschmuggelte Passagiere wurden aber wieder zurückgeschickt

Schwechat - Die gute Nachricht zuerst: Die per Flugzeug von Wien in die USA und nach Großbritannien geschmuggelten Passagiere waren eigentlich kein Sicherheitsrisiko, weil sie alle Security-Checks absolviert hatten. Wie sie das mithilfe von einigen Privatsecuritys der AUA geschafft haben, ist noch nicht restlos geklärt. Aber dass sie es geschafft haben, wie der Kurier berichtete, wurde inzwischen von der Staatsanwaltschaft, der AUA und dem Flughafen bestätigt.

Das illegale Reisebüro ist laut Anklagebehörde vor rund drei Monaten aufgeflogen. Zwei mutmaßliche Schlepper befinden sich in U-Haft, elf weitere Verdächtige verschiedener privater Sicherheitsunternehmen auf freiem Fuß, gab Friedrich Köhl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, am Dienstag bekannt.

"Sehr bedauerlich"

Die Verdächtigen sollen gegen Summen zwischen jeweils 7000 und 9000 Euro "Reisende an Sicherheitskontrollen vorbeigeschleust haben". Bei den "Kunden" habe es sich vorwiegend um Menschen aus Sri Lanka gehandelt, zwei der Beschuldigten seien Landsleute, so Köhl.

Peter Kleemann, der Sprecher des Flughafens, will nicht den Eindruck aufkommen lassen, dass es sich um ein Sicherheitsleck im Airport handelt. "Die Causa ist sehr ärgerlich und sehr bedauerlich", so Kleemann im Gespräch mit dem STANDARD. Der flughafeneigenen Sicherheitsfirma Vias könne man aber keine Vorwürfe machen. Denn alle Betroffenen seien an den Vias-Schleusen durchgecheckt worden - wie alle anderen Passagiere auch. Niemand konnte also gefährliche Gegenstände an Bord schmuggeln.

Tatsächlich dürfte es sich ausschließlich um korrupte Securitys der Airline gehandelt haben, die als einzige direkt von Wien in die USA fliegt. Und das ist die AUA. Bei diesen Flügen sind von den US-Behörden spezielle Dokumenten-Checks direkt am Gate vorgeschrieben, die die Airline seit 2013 selbst durchführt bzw. durchführen lässt. Diese Mitarbeiter haben eigene Ausweise für den Zugang zum Flughafengelände. Wie alle anderen müssen sie aber auch Sicherheitskontrollen passieren. Manche Schleusen sind nur für das Personal reserviert.

Finaler Check am Gate

Den Mitarbeiterausweisen kam eine Schlüsselrolle zu. Damit gelangten die Kunden aufs Gelände (normale Passagiere müssen eine Boarding-Karte vorweisen). Drinnen erhielten die Kunden offenbar Tickets, die eigentlich auf Namen von Komplizen ausgestellt waren. Bei der Passkontrolle der Polizei wiederum werden nur Reisedokumente kontrolliert. Dort zeigten die Kunden ihre eigenen Pässe vor. Beim finalen Doc-Check am Gate schließlich sorgte ein weiterer Komplize dafür, dass die unterschiedlichen Namen auf dem Ticket und im Pass nicht auffielen.

Aufgeflogen ist der Menschenschmuggel, weil die USA mehrere Flüchtlinge zurückgeschickt haben. Und weil die mutmaßliche Bande expandieren wollte, umworbene Securitys aber zur Polizei gingen.

Nach Angaben der Sicherheitsfirma G4S Österreich sei "ein einzelner Mitarbeiter" des Unternehmens involviert gewesen. Dieser sei "fristlos entlassen" worden. (simo, 26.5.2015)

  • Flughafen Wien, Spiegelbild der Luftseite, wie das äußere Gelände genannt wird. Auf der Landseite (im Inneren des Airports) sollen AUA-Securitys Reisebüro für Menschen ohne  Visum gespielt haben.
    foto: christian fischer

    Flughafen Wien, Spiegelbild der Luftseite, wie das äußere Gelände genannt wird. Auf der Landseite (im Inneren des Airports) sollen AUA-Securitys Reisebüro für Menschen ohne Visum gespielt haben.

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