Korea: Frieden ist nun Frauensache

27. Mai 2015, 07:00
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30 Feministinnen haben in einer Friedensgeste die koreanische Grenze überquert. Kritiker sehen sie als Marionetten des Nordens

Als die amerikanische Frauenrechtlerin Gloria Steinem vor die innerkoreanische Grenze tritt, komplett in Weiß gekleidet, trägt sie eine revolutionäre wie auch kontroverse Botschaft an die wartenden Journalisten: Politiker und Generäle hätten jahrzehntelang mit ihren Aggressionen den Korea-Konflikt befeuert, und nun benötige es weibliche Führungsqualitäten, um die ostasiatische Halbinsel auf Versöhnungskurs zu bringen. "Frauen haben nun mal eine besondere Gabe, Verbindungen zwischen den Leuten herzustellen", sagt Steinem.

Der Bürgerrechtlerin Leymah Gbowee ist das bereits in Liberia gelungen, Mairead Corrigean in Nordirland. Beide haben sie einen Friedensnobelpreis für ihr Engagement erhalten, und beide stehen sie nun ebenfalls an der koreanischen Grenze. Ihre regenbogenfarbenen Schärpen werden von gleißendem Sonnenlicht reflektiert, im Hintergrund singen Nonnen Lobeshymnen, und Kinder lassen bunte Drachen steigen. Nur der doppelte Stacheldrahtzaun und die Schießposten erinnern daran, dass sich all das am "gefährlichsten Ort der Welt" ereignet. So bezeichnete der ehemalige US-Präsident Bill Clinton einst die militärisch hochgerüstete Demarkationslinie. Seit dem Ende des Koreakriegs im Jahr 1953 stehen sich hier tausende Soldaten gegenüber, weil ein Friedensabkommen zwischen den verfeindeten Bruderstaaten nie zustande kam.

Gegendemo in Südkorea

Das will die Frauengruppe mit ihrem Friedensmarsch von Nord- nach Südkorea nun ändern. Doch diesseits der Grenze werden sie von über hundert wütenden Gegendemonstranten begrüßt. "Die sind doch nur Marionetten des nordkoreanischen Regimes", sagt etwa der 78-jährige Lee Dong-bok, der als ehemaliger Abgeordneter bereits während der 1970er-Jahre an innerkoreanischen Gipfeltreffen beteiligt war.

Der Amerikaner Michael Bassett hingegen bezeichnet den Friedensmarsch als "Schlag ins Gesicht für das nordkoreanische Regime". Bassett hat einst auf beiden Seiten der koreanischen Halbinsel gelebt und kennt die Propagandamechanismen Pjöngjangs wie kein Zweiter. Die Bevölkerung bekäme tagtäglich eingetrichtert, dass im Ausland die Wurzel alles Bösen liege und Amerikaner blutrünstige Monster seien. Wenn nun also eine Frauengruppe dieses Bild widerlegt, dann sei das für die Bevölkerung ein Erweckungserlebnis, dem offiziellen Narrativ zu misstrauen. Jedwede Art von Austausch könne daher nur hilfreich sein - ganz besonders, wenn er darauf abziele, die Frauen des Landes zu stärken: "Jeder weiß, dass in Nordkorea die Frauen in fast allen Bereichen den Ton angeben".

Frauen geben Ton im Norden an

Tatsächlich lebt ein Großteil der Nordkoreaner schon heute in einer Art kapitalistischem System. Seit die staatliche Lebensmittelversorgung in den 1990er Jahren kollabiert ist, müssen die Familien selber für ihr Auskommen sorgen. Die Männer sind jedoch an ihre Arbeitsplätze gebunden, an denen sie ihre Schichten für einen symbolischen Lohn absitzen. Also obliegt es den Frauen, das Geld heranzuschaffen. Sie leiten die Schwarzmärkte des Landes, führen die Haushalte und halten die Wirtschaft am Laufen.

Die Aktivistinnen kündigten nach ihrer Aktion bereits den nächsten Friedensmarsch an - diesmal von Süd nach Nord. (Fabian Kretschmer aus Seoul, 27.5.2015)

  • Neben Aktivistinnen aus dem Ausland nahmen auch viele Südkoreanerinnen am  Friedensmarsch teil.
    foto: ap / ahn young-joon

    Neben Aktivistinnen aus dem Ausland nahmen auch viele Südkoreanerinnen am Friedensmarsch teil.

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