Burgtheater: Regierung sieht Holding und Ministerium im Recht

26. Mai 2015, 17:08
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Mehrheit im "kleinen U-Ausschuss" ortet kein Kontrollversagen

Wien - In sieben Sitzungen hat sich zwischen November 2014 und April dieses Jahres ein Rechnungshof-Unterausschuss mit der Finanzmisere bei den Bundestheatern auseinandergesetzt. Ziel dieses "kleinen U-Ausschusses" war es, mehr Licht ins Dunkel der Vorfälle am Burgtheater zu bringen, die Konzernmutter und das Kulturministerium auf etwaiges Kontrollversagen abzuklopfen und hilfreiche Schlüsse für eine Reform der Bundestheater-Holding zu ziehen.

Letzteres tat Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) schon vor Veröffentlichung der zwischen Regierungs- und Oppositionsparteien divergierenden Ausschuss-Ergebnisse: Eine entsprechende Gesetzesnovelle - der STANDARD berichtete - hat der Minister bereits auf den Weg gebracht.

Die Opposition schäumte über dieses Vorgehen und sprach von einem "Worst-Case-Szenario". Am Donnerstag wollen FPÖ, Grüne und Neos nach Ablauf der gesetzlichen Schweigepflicht einen Minderheitsbericht präsentieren. Denn "die Frage der Weglassung hat nichts mit Wahrheit oder Unwahrheit zu tun", so FPÖ-Kultursprecher Walter Rosenkranz in Anspielung auf den Mehrheitsbericht.

Grundübel Basisabgeltung

Das Resümee der Regierungsparteien liegt dem STANDARD bereits vor: Insgesamt sei demnach "keine unzureichende Wahrnehmung der Führungsrolle durch die Bundestheater-Holding" festgestellt worden. Auch Aufsichtsrat und Kulturressort hätten ihre "Kontrollaufgabe wahrgenommen", wie dem Papier zu entnehmen ist, das dem 70-seitigen Ausschussbericht beiliegt.

Das Grundübel der Misere sei in der fehlenden Inflationsanpassung der Basisabgeltung bei gleichbleibenden Leistungsanforderungen gelegen. Wäre diese seit der Ausgliederung im Jahr 1999 laufend erhöht worden, hätte die Holding heute rund 27 Mio. Euro mehr im Budget, so der Bericht.

Davon zu trennen seien die Vorfälle im Burgtheater, die im Detail gerichtlich zu klären sind. Festgehalten wird, "dass die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin vor dem Bilanzstichtag Bareinzahlungen durchgeführt hat, die danach wieder aus dem Bargeldbestand abgehoben wurden".

Das Ausmaß dieser Bilanztricks sei Ex-Holding-Chef Georg Springer und den Wirtschaftsprüfern erst durch die forensische Untersuchung aufgefallen. Prüfer Gerold Wietrzyk verteidigend: "Wenn jemand etwas verbergen will, kommt man mit 'normalen' Mitteln nur durch Zufall drauf." Außerdem habe er gelernt, dass der Bundestheater-Konzern nicht mit einem normalen Industriebetrieb vergleichbar sei. "Künstlerische Direktoren sind Alphatiere, die sich von einem Holding-Direktor nicht viel sagen lassen", so Wietrzyk hinsichtlich der Hierarchien im Konzern.

Ex-Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) stärkte Georg Springer den Rücken: Solange sie Ministerin war, habe es keinen "Skandal" gegeben und "keinen Anlass, Springer infrage zu stellen". Ihr Ringen um ein höheres Budget sei sieben Jahre lang "auf der Tagesordnung" gestanden. (Stefan Weiss, 26.5.2015)

  • Wer hat wo versagt? Ex-Holding-Chef Georg Springer und Silvia Stantejsky, ehemalige Geschäftsführerin des Burgtheaters.
    foto: apa / herbert neubauer

    Wer hat wo versagt? Ex-Holding-Chef Georg Springer und Silvia Stantejsky, ehemalige Geschäftsführerin des Burgtheaters.


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