Warum Smartphones immer besser werden – außer beim Telefonieren

2. Juni 2015, 09:11
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Obwohl fast alle Nutzer auch Sprachanrufe tätigen, tut sich in dem Bereich nur wenig

92 Prozent aller US-amerikanischen Smartphone-Besitzer telefonieren mit ihren Geräten: Ähnlich dürften die Zahlen auch in Österreich sein. Nach dem Versand von Textnachrichten bleibt Sprachtelefonie die wichtigste Anwendung. Doch im Vergleich zu anderen Funktionsbereichen hat sich die Qualität der Sprachanrufe nur wenig verbessert. Vor allem seit der Einführung der HD-Telefonie im Jahr 2011 tat sich kaum etwas, während im selben Vergleichszeitraum die Geschwindigkeit der mobilen Daten oder die Kameras der Smartphones selbst signifikant besser wurden.

Mangelhafte Netze

Das liegt vor allem daran, dass viele Nutzer die Netzabdeckung noch immer als mangelhaft erleben. In dicht besiedelten Gebieten kann es immer wieder zu Überlastungen kommen. Funkzellen entscheiden aufgrund einer Reihe von Faktoren selbst, wie gut die Anrufe der Nutzer übertragen werden, erklärt der Mobilnetz-Experte Jerry Gibson in Technology Review: Sie orientiert sich etwa an der Reihe der im Umkreis aktiven Smartphones oder berechnet, wie stark das Netz in den nächsten Minuten belastet werden wird. Mit einem noch stärkeren Netzausbau kann dieser Faktor eliminiert werden. Voice over LTE wurde großmundig angekündigt, der Start jedoch immer wieder verschoben.

Viele nutzen alte Smartphones

Die angesprochene HD-Telefonie, die ab 2012 in den österreichischen Mobilfunknetzen zugelassen wurde, bringt prinzipiell zwar eine Steigerung der Sprachqualität; allerdings müssen beide Teilnehmer ein HD-fähiges Mobiltelefon besitzen. Das ist in großen Teilen der Bevölkerung noch nicht der Fall, denn erst aktuellere Android-Modelle unterstützen HD Voice; Apple begann erst beim iPhone 5 mit HD-Unterstützung. Andere Beobachter sehen schwache Mikrofone als Grund für die teils verbesserungswürdige Sprachqualität. Das Start-Up Cypher hat deshalb einen Algorithmus entwickelt, mit dem in Echtzeit die menschliche Stimme bei einem Anruf isoliert werden kann. Dadurch können Hintergrundgeräusche gedämpft, die Sprache aber verstärkt werden. Das führt zu deutlich klareren Anrufen.

Nur wenige Apps

Aber auch abseits der reinen Sprachqualität ist erstaunlich, wie wenige Apps sich mit dem Telefonieren an sich beschäftigen. Erst in letzter Zeit gibt es neue Lösungen, beispielsweise Talko: Mit dieser App können Gruppenanrufe aufgezeichnet, Teile davon markiert und "Lesezeichen" gesetzt werden. Die Anwendung Yallo kann aufgenommene Anrufe nach einzelnen Phrasen oder Stichworten durchsuchen und so für mehr Übersicht sorgen. Apps für die Verschlüsselung von Telefonaten wie RedPhone verbreiten sich viel langsamer als ihre Pendants im Textnachrichten-Bereich. Scheint also, als ob Sprachanrufe auch in Zukunft nur langsam besser würden. (fsc, 2.6.2015)

  • Smartphones haben bessere Kameras, mehr Speicher und funktionieren schneller - aber Sprachtelefonie bleibt schlecht
    foto: reuters/su

    Smartphones haben bessere Kameras, mehr Speicher und funktionieren schneller - aber Sprachtelefonie bleibt schlecht

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