Übergangsquartier für Flüchtlinge in Bad Gastein wird belegt

26. Mai 2015, 15:30
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Asylwerber kommen in Mitarbeiterpension, die Neos-Abgeordneter Sepp Schellhorn zur Verfügung stellt

Salzburg – Die vom Neos-Nationalratsabgeordneten Sepp Schellhorn angebotenen Mitarbeiterwohnungen in Bad Gastein wurden am Dienstagvormittag von den Landesbeamten geprüft und als geeignet befunden für die Unterbringung von Flüchtlingen. Bis Anfang November können in dem Haus nun 40 Asylwerber Platz finden.

So schnell wie möglich sollen nun Flüchtlinge in die ehemalige Zwei-Sterne-Pension einziehen, heißt es aus dem Büro von Integrationslandesrätin Martina Berthold (Grüne). "In dieser Notsituation brauchen wir jeden Platz." Die Besichtigung sei positiv verlaufen, das Haus sei gut geeignet, und das Land freue sich über ein weiteres Übergangsquartier.

In der Pension sei jedes Zimmer mit einer eigenen Dusche und einer Toilette versehen. An vier Kochstellen könnten die Asylwerber selbst ihr Essen zubereiten. Schellhorn kündigte an, für das Quartier zwei Mitarbeiter abzustellen. Ein Mitarbeiter sei ständig vor Ort, und ein weiterer werde sich um integrative Maßnahmen kümmern. "Wir brauchen eine Willkommenskultur und nicht nur eine Ablehnungskultur", betonte der Gastronom und Nationalratsabgeordnete.

Bürgermeister strikt dagegen

Wie DER STANDARD berichtete, meldete Schellhorn letzten Donnerstag die Pension als mögliches Flüchtlingsquartier bei Landesrätin Martina Berthold. Sein Angebot brachte Schellhorn einen verärgerten Brief des Bad Gasteiner Bürgermeisters Gerhard Steinbauer (ÖVP) ein. Steinbauer erklärte, das Quartier "gegebenenfalls mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" zu bekämpfen.

Auf den Widerstand des Bürgermeisters angesprochen, heißt es aus Bertholds Büro: Man versuche, die Quartiere immer in gutem Einvernehmen mit den Bürgermeistern zu schaffen. Aber wenn das Quartier den österreichweiten Standards entspreche und von den zuständigen Beamten als geeignet eingestuft werde, könne es trotz Widerstands des Bürgermeisters belegt werde.

Verwundert über Rückmeldungen

"Im Sinne der humanitären Notsituation sollte gehandelt werden", betont Sepp Schellhorn und bietet an, sich gerne mit der zuständigen Behörde, der Landesrätin und dem Bürgermeister an einen Tisch zu setzen.

Im STANDARD-Gespräch zeigt sich der Gastronom verwundert über die Rückmeldungen, die er aus der Bevölkerung erhalten habe, seit sein Vorschlag bekannt wurde. "Einige Leute verlangten sogar eine Entschädigung von mir, weil ich ihre Immobilie entwerten würde", sagt Schellhorn. Insgesamt seien viele Ängste vorhanden. "Im Grunde ist es schwierig, dass der Bürgermeister nicht an einer gemeinsamen Sache interessiert ist."

134 Flüchtlinge in Salzburger Zeltstadt

Die ehemalige Zwei-Sterne-Pension soll als Landesquartier genutzt werden, obwohl Landesrätin Martina Berthold (Grüne) für die Landesquartiere eher auf der Suche nach langfristigen Unterkünften ist. Vom Bund wurden die Mitarbeiterwohnungen als Ersatzquartier für die Zelte abgelehnt.

In Salzburg waren am Dienstagvormittag noch immer 134 Flüchtlinge in der Zeltstadt und 32 Männer im Turnsaal der Landespolizeidirektion untergebracht. Trotz des Dauerregens seien die Zelte den Umständen entsprechend trocken, erklärt Polizeisprecher Ortwin Lamprecht. Es gebe keine Wasserlacken, und die verlegten Holzplatten würden verhindern, dass zu viel Dreck in die Zelte getragen werde. (Stefanie Ruep, 26.5.2015)

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