Altersdepression mit Placebo behandeln

26. Mai 2015, 14:23
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Einer Meta-Analyse zufolge sprechen ältere Menschen mit einer depressiven Störung bei einer Behandlung mit Medikamenten stark auf Placebos an. Der Schweregrad der Depression hat dabei keinen Einfluss

Basel – Die Altersdepression ist die meistverbreitete psychische Störung bei älteren Menschen. Sie hat einen stark negativen Einfluss auf die Lebensqualität und Funktionsfähigkeit sowie den Verlauf von körperlichen Erkrankungen. Richtlinien zur Behandlung empfehlen neben psychotherapeutischen Interventionen neuere Antidepressiva.

Bei Erwachsenen lassen sich laut bisherigen Studien gewisse Vorteile der Antidepressiva gegenüber Placebobehandlungen nachweisen. Die Effekte sind aber moderat und werden von der Schwere der ursprünglichen depressiven Symptomatik bestimmt: Das heißt, stark depressive Erwachsene sprechen stärker auf Medikamente im Vergleich zum Placebo an.

Wie sich nun bei älteren Patienten der Schweregrad der Depression auf die Placeboeffekte auswirkt, haben nun Cosima Locher, Joe Kossowsky und Jens Gaab von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel erforscht.

Psychosoziale Unterstützung wichtig

Zusammen mit Kollegen der Harvard Medical School analysierten die Forscher Daten von 19 Studien, die insgesamt 5.737 ältere Menschen ab 55 Jahren inkludierten. Die Ergebnisse zeigen, dass hier große und klinische bedeutsame Placeboeffekte beobachtet wurden, die bei der Altersdepression nicht vom ursprünglichen Schweregrad der Depression abhängig sind.

Die Autoren gehen aufgrund ihrer Analyse davon aus, dass bei einer medikamentösen Behandlung von altersdepressiven Patienten vor allem die psychosoziale Unterstützung einen hohen Anteil des Placeboeffekts erklärt – und damit auch der Behandlungsreaktion.

"Diese Erkenntnis ist besonders wichtig für die Behandlung älterer Personen mit depressiven Störungen. Bedeutsam sind hier nämlich die persönliche Zuwendung und die subjektive Plausibilität der Behandlung – und zwar unabhängig vom Schwergrad der Depression", sagt Mitautor Jens Gaab. (red,idw, 26.5.2014)

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