Wer bist du, was kannst du? Frag die Sterne

27. Mai 2015, 05:30
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Eine neue Potenzialanalyse will anhand von Geburtsdaten Fähigkeiten und Führungsqualitäten feststellen können

Wer am 6. Oktober 1957 um 19 Uhr geboren wurde, besitzt Courage, ist aufgeschlossen und geschickt in Verhandlungen. Er arbeitet kooperativ und prozessorientiert und scheut sich nicht, Konflikte offen anzusprechen. Das zeigt die Kompaktversion des "Genius Report", eines Verfahrens zur Potenzial- und Persönlichkeitsanalyse, das ausschließlich auf Geburtsdaten basiert.

Bei der Berechnung des "Genius Report" werden Geburtsdatum, -zeit und -ort in eine Software eingegeben, auf Basis eines alten chinesischen Wissenssystems, dem I-Ging, Wesenszüge und Führungsstil. Wie das funktioniert? Andreas Ebhart, Unternehmensberater und Leiter des vierköpfigen Erfinderteams, erklärt: "Es werden, vereinfacht gesagt, astronomische Konstellationen in Bezug zu den Hexagrammen des I-Gings gebracht". Das I-Ging wiederum korreliere zu 100 Prozent mit der Struktur der menschlichen DNS. Dadurch würden sich bereits aus ein paar Basisfakten Schlüsse über persönliche Stärken ziehen lassen.

Um Recruiter, Unternehmer und Coaches für seine Methode zu gewinnen, führt Ebhart beispielhaft Prominente ins Treffen, deren "Kraftfeldanalyse" angeblich genau mit ihren jeweiligen Biografien zusammenpasst. Darunter: Formel-Eins-Fahrer, Schauspieler und Schauspielerinnen oder Politiker. An Arnold Schwarzeneggers Ergebnissen könne man beispielsweise genau seinen Wunsch ablesen, im Ausland zu leben. Auch Steve Jobs sei der Pioniergeist bereits im Kraftfeld eingeschrieben gewesen.

Wer kann mit wem

Analysiert wird im Genius Report aber nicht nur die "energetische Prägung" des Einzelnen, sondern auch, "wer auf Basis dessen mit wem auskommt", so Ebhart. Der Report soll etwa zeigen, wie sich zwei Menschen verstehen oder ob bereits bestehende Teams funktional oder dysfunktional zusammengestellt sind.

Sogar Vertreter der Wissenschaft seien bereits interessiert an ihn herangetreten, sagt Ebhart und zitiert Thomas Schneidhofer, ehemals an der Wiener Wirtschaftsuni tätig und nun Professor für Personal und Management an der Privatuniversität Schloss Seeburg. Er sagte: "Wenn das wirklich funktioniert, ist es der heilige Gral der Teamentwicklung" – und testete das Tool.

Dazu ließ er im Rahmen eines Seminars vier Teams von WU-Studierenden im "Intergruppenwettbewerb" gegeneinander antreten. Eines war nach den Rezepten der klassischen Persönlichkeitsforschung zusammengestellt worden, eines galt als optimales Team im Sinne des Genius Report und zwei Teams dienten als Kontrollgruppen. Das Ergebnis: Keine der Gruppen, die nach Potenzialanalysen zusammengestellt worden war, gewann den Wettbewerb – sondern eine der Kontrollgruppen. Schneidhofer: "Das Genius-Report-Team berichtete zwar von einer harmonischeren Zusammenarbeit, schnitt objektiv aber um nichts besser ab." Um die Methode umfassend zu testen, seien weitere Untersuchungen nötig, zu denen es aber nie gekommen sei, sagt der Wissenschafter. "Dass der Genius Report tatsächlich der heilige Gral der Personalentwicklung ist, würde ich also nicht unterschreiben." (Lisa Breit, 27.5.2015)

Die Kompaktversion des Genius Report kann kostenlos, die 10-seitige Vollversion um 150 Euro auf der Webseite erstellt werden (Preis für Jugendliche unter 25 Jahren: 50 Euro). Der Report ist auf Deutsch und auf Englisch verfügbar.

  • Die Varianten der Potenzialanalyse sind vielfältig: Die einen ziehen psychologische Gutachten oder Intelligenztests zu Rate, die anderen schwören auf graphologische oder astrologische Verfahren.
    foto: ap/alessandro della bella

    Die Varianten der Potenzialanalyse sind vielfältig: Die einen ziehen psychologische Gutachten oder Intelligenztests zu Rate, die anderen schwören auf graphologische oder astrologische Verfahren.

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