A1 und Tele2 laut Steam lahmste Internet-Anbieter für Spieler

26. Mai 2015, 11:04
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Österreich für kommenden Technologien wie Game-Streaming schlecht gerüstet

Videospiele werden zunehmend Download erworben und online gespielt. Das ist nicht nur praktisch, sondern ermöglicht es zudem mit Menschen zusammen zu spielen, die tausende Kilometer entfernt sind. Einer der Haken dieser digitalen Revolution ist, dass Konsumenten schnelle Internet-Anbindungen und große oder im Idealfall unbeschränkte Datentransfervolumen benötigen. Blockbuster wie "The Witcher 3: Wild Hunt" oder "Grand Theft Auto 5" wiegen heute gerne einmal 50 Gigabyte und sind damit keine Ausnahme mehr. Selbst kleinere Indie-Games umfassen mittlerweile mehrere GB an Daten.

Der österreichische Markt ist diesen Anforderungen nur bedingt gewachsen. Wie aus den laufend aktualisierten Statistiken der PC-Spiele-Plattform Steam für die am meisten verbreiteten Internetanbieter Österreichs hervorgeht, laden heimische Gamer im Schnitt mit 12,1 Mbps herunter. Klare Schlusslichter sind dabei Kunden, die über das Netz der Telekom Austria (durchschnittlich 6,9 Mbps) und von Tele2 (durchschnittlich 5 Mbps) surfen. Wobei Tele2 zumindest zum Teil ebenfalls die Infrastruktur der TA nutzt.

foto: steam

Weit abgeschlagen

Österreichische Spieler sind damit langsamer im Internet unterwegs als beispielsweise Konsumenten in England (durchschnittlich 16,1 Mbps), Spanien (durchschnittlich 13,3 Mbps), Tschechien (durchschnittlich 12,6 Mbps) oder Deutschland (durchschnittlich 12,4 Mbps). Noch deutlich weiter abgeschlagen ist man von der Schweiz (durchschnittlich 21,5 Mbps) oder den skandinavischen Ländern. In Schweden beispielsweise laden Steam-Nutzer im schnitt mit 27,7 Mbps herunter. Internationale Spitzenreiter wie Südkorea oder Japan stellen durchschnittliche Download-Geschwindigkeiten von 40 oder 50 Mbps und mehr zur Verfügung.

Ein Problem für heimische Kunden ist hierbei nicht nur die aktuelle Situation, sondern auch, dass sich der österreichische Markt nur langsam nach vorne bewegt. Wie berichtet, legten die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit zwischen Wien und Bregenz von 2013 auf 2014 um lediglich 3,9 Prozent zu.

Wenig Konkurrenz

Im Detail betrachtet, offenbart die Steam-Statistik das grundlegende Problem des heimischen Marktes: Die für die Spitzenwerte verantwortlichen Kabel-Internet-Anbieter sind rar gesät bzw. nur lokal angesiedelt. In Wien laden Liberty-Global-Kunden (UPC) im Schnitt mit rund 27 Mbps herunter. Mit Liwest sind es in Linz rund 22 Mbps und in Teilen Niederösterreichs mit Kabelplus rund 18 Mbps. Ernsthafte Konkurrenz haben keiner der genannten Anbieter in seinem Umfeld. ADSL-Festnetzanbieter können nicht mithalten, diese sind sogar bereits hinter Mobilfunkangebote zurückgefallen. Spitzenreiter bei Mobil-Anbietern ist laut Steam Drei Austria mit durchschnittlich 10,7 Mbps.

Zukunftssorgen

Während niedrige Download-Raten lediglich lange Wartezeiten bedingen, bereiten die niedrigen Internet-Geschwindigkeiten insbesondere im Hinblick auf kommenden Streaming-Angebote Kopfzerbrechen. Werden Games heute noch per Disc vertrieben oder heruntergeladen, sollen sie in Zukunft wie Filme auf Netflix und Co. ganz einfach gestreamt werden. Das so genannte Cloud-Gaming oder Game-Streaming hat den Vorteil, dass Kunden keine teure und leistungsstarke Hardware mehr bei sich zuhause stehen haben müssen. Anstelle dessen übernehmen Server die Rechenleistung. Erste Angebote wie PlayStation Now sind bereits gestartet. Damit Grafik und Sound ähnlich hochwertig dargestellt werden können, wie auf lokalen Systemen, benötigt es jedoch Anbindungen, die deutlich mehr mehr leisten, als die nach wie vor weit verbreiteten Kupfernetze Österreichs.

Österreichs Infrastrukturminister Alois Stöger kündigte Anfang März an, dass rund eine Milliarde Euro in den Ausbau der Leitungen investiert werden soll, um bis 2020 eine Geschwindigkeit von 100 Mbps für alle Nutzer zu ermöglichen. Eine Investition, die wohl nicht nur angesichts des schnell wachsenden Gaming-Bereichs sondern des generellen digitalen Medienwandels nötig ist. (Zsolt Wilhelm, 26.5.2015)

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    foto: mark keppler/dapd
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