Angst vor US-Behörden: PGP-Erfinder Zimmermann flüchtet in die Schweiz

26. Mai 2015, 08:53
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Neuer Firmensitz soll verhindern, dass US-Regierung die Metadaten der Nutzer einfordert

PGP-Erfinder und Verschlüsselungspionier Philip Zimmermann ist bereits seit Jahrzehnten zur Flucht bereit: Aus Angst vor einem nuklearen Armageddon zwischen den USA und der Sowjetunion bereitete der Aktivist schon in den 1980ern einen Notfallplan vor, um seine Familie schnell von Colorado nach Neuseeland übersiedeln zu können. Allerdings wurde der Kalte Krieg nie heiß, Zimmermann blieb in den USA. Jetzt bricht er allerdings endgültig mit seinem Heimatland: Zimmermann hat sein Unternehmen "Silent Circle" in Genf angemeldet und übersiedelt auch selbst in die Schweiz.

Überwachungsgesellschaft

Der Grund: Die USA (und andere Länder wie Großbritannien) befänden sich auf dem Weg zu einer dystopischen Überwachungsgesellschaft, so Zimmermann zum Guardian. Mit seiner Firma "Silent Circle" bietet er zahlreiche Verschlüsselungstools an, etwa die Apps Silent Phone und Silent Text. Mit dem Blackphone hat er auch Hardware im Angebot. Doch auf den Servern seiner Firma befinden sich unweigerlich Daten seiner Nutzer: Sogenannte Metadaten, die zwar nicht den Inhalt, aber andere Kommunikationsmerkmale verraten.

Zugriff von US-Behörden

Zimmermann befürchtet nun, dass sich die US-Behörden Zugriff auf diese Informationen verschaffen könnten. Als Warnung ist etwa der Niedergang des E-Mail-Anbieters Lavabit zu sehen: Der Service, den auch Edward Snowden nutzte, musste auf Anordnung eines US-Gerichts die Möglichkeit zur Überwachung in seine Infrastruktur einpflegen. Die Firma wurde daraufhin aus Protest geschlossen. Damit Silent Circle nicht dasselbe passiert, wandert die Firma nun in die Schweiz.

Pionier

Auch wenn Zimmermann an Verschlüsselungsmaßnahmen Geld verdient: Den Status als Aktivist und Pionier macht ihn in der Netzgemeinde keiner streitig. Nachdem er sich jahrelang gegen nukleare Aufrüstung engagiert hatte, sieht Zimmermann ab Anfang der 1990er den Schutz vor staatliche Spionage als wichtigstes Gebiet für Bürgerrechte. 1991 veröffentlicht er das selbstentwickelte Verschlüsselungstool PGP, das er zum Download bereitstellt. Jeder Nutzer bekommt zwei Keys zugewiesen, einer davon öffentlich, einer privat. Letztere werden auf keiner öffentlichen Datenbank gespeichert. So sollen Nutzer geschützt werden.

Widerstand

Tatsächlich ist PGP bis heute im Einsatz und wird von Millionen Nutzern – darunter Edward Snowden – genutzt. Zwar soll die NSA in der Lage sein, einzelne per PGP verschlüsselte E-Mails aufbrechen zu können; eine Massenüberwachung aller Nutzer ist bei PGP-Nutzung allerdings nicht möglich. Zimmermanns Widerstand gegen staatliche Überwachung ärgerte die US-Behörden schon früh: 1993 bekam er Besuch von zwei US-Beamten. Damals galt Verschlüsselungssoftware als "Munition", die Zimmermann international verkaufte. Die Zeiten könnten sich wieder in diese Richtung drehen, fürchtet Zimmermann. Da sei es besser, in der Schweiz zu sein. (fsc, 26.5.2015)

  • Phil Zimmermann in den späten 1990ern - der Erfinder von PGP nutzte seinen Ruhm, um auf Verschlüsselung hinzuweisen
    foto: helen davis/denver post

    Phil Zimmermann in den späten 1990ern - der Erfinder von PGP nutzte seinen Ruhm, um auf Verschlüsselung hinzuweisen

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