Song Contest: Ein Schwede als Toleranzbeweis

26. Mai 2015, 08:08
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Der Schwede Måns Zelmerlöw gewinnt den Eurovision Song Contest; Österreich landet gemeinsam mit Deutschland (mit null Punkten) auf dem letzten Platz. Keines der votenden Länder hatte Gnade

Wien - Die wichtigere Abstimmung hat am vergangenen Wochenende Irland für sich entschieden. Während es für eine Qualifikation für das Finale des Eurovision Song Contest diesmal nicht gereicht hat, stimmte Irland mit 62,1 Prozent für die Einführung gleichgeschlechtlicher Ehen. Irland! Das muss man sich einmal vorstellen. Also das nach dem Vatikan und ex aequo mit Polen wahrscheinlich katholischste Land Europas. In Wien hingegen hat Schweden gewonnen.

Später Entschuldigung

Am Samstag entschied der 28-jährige Måns Zelmerlöw mit dem Song Heroes den 60. Song Contest für sich. Es war dies ein Toleranzbeweis. Denn Zelmerlöw war im Vorfeld des Contests mit schwulenfeindlichen Wortmeldungen aufgefallen, für die er sich später entschuldigt hat. Mit seinem Lied zählte er vorab schon zu den Favoriten: gemäß dem Modus, dass die Siegernation den Bewerb im Folgejahr veranstaltet, wird der 61. Song Contest 2016 also in Schweden stattfinden.

Auf Platz zwei landete Polina Gagarina mit dem Lied A Million Voices für Russland, der italienische Gesangsverein Il Volo erschmeichelte mit dem immergrünen Titel Grande Amore den dritten Platz. Im Vorjahr konnte Österreich kraft Conchita Wurst das Singen für sich entscheiden - weil ihr Song diesmal von Werbung unterbrochen wurde, übte ihr Management Kritik am ORF. Und auch das österreichische Resultat gab sich heuer wieder traditionell.

The Makemakes landeten mit ihrem Lied I Am Yours mit null Punkten auf dem letzten Platz. Zwar entflammte bei ihrem Auftritt ihr Klavier, nicht jedoch das europäische Publikum. Ein Schicksal, das sich die Burschen mit Deutschland am Samstag teilten: Ann Sophie gesellte sich mit ihrem Lied Black Smoke zu den Makemakes - auch ihr Auftritt blieb punktelos.

Interessant: Nicht einmal von den dem Gastgeberland Österreich erwiesenen Höflichkeitspunkten konnten diesmal die Makemakes profitieren. Denn anhand der Gesamtpunkte wäre sich (von 27 möglichen) der 19. Platz für Österreich ausgegangen. In den Jurywertungen schnitt das Trio zumindest im hinteren Mittelfeld ab. Merci, Jury.

Die Nullnummer

Allein bei der Publikumsabstimmung fiel das Trio komplett durch. Da Österreich von keinem einzigen votenden Land (es waren vierzig an der Zahl) insgesamt unter den Top Ten gereiht wurde, ergab sich die finale Nullsumme. The Makemakes nahmen es mit Humor und veröffentlichten auf Facebook ein Video, auf dem sie selbstironisch "We are the zeroes of our time" sangen - in Anlehnung an Måns Zelmerlöw schwedisches Siegerlied.

Insgesamt waren heuer alle Beiträge eher ideenarm und mutlos, also durch die Bank wirkten sie brav bis bieder. Die Bühne der Wiener Veranstaltung wurde hingegen quer durch Europa als spektakulär gelobt, dass das darauf Gebotene nicht mithalten konnte - es gehört gewissermaßen zur Folklore des Song Contest. Diese Veranstaltung zählt einerseits wohl zu den bedeutendsten Statements des liberalen Europas und ist auch ein Festtag der lesbischen und schwulen Communitys. Andererseits ist er musikalisch in der Bedeutungslosigkeit angesiedelt. Der Song Contest ist also wichtig, aber nie gut. (Karl Fluch, 26.5.2015)

  • Der 28-jährige Schwede Måns Zelmerlöw gewann mit dem Song "Heroes" den 60. Song Contest. Auf Platz zwei landete die Russin Polina Gagarina mit dem Lied "A Million Voices".

    Foto: APA

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