Schwechat: Flughafen-Schmuggel seit drei Monaten bekannt

26. Mai 2015, 11:26
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Flüchtlinge in die USA und Großbritannien geschmuggelt - Sechs Männer festgenommen

Schwechat - Sechs Mitarbeiter einer privaten Securityfirma am Flughafen Wien-Schwechat sollen Flüchtlinge in die USA und nach Großbritannien geschmuggelt haben. Sie wurden festgenommen. Das berichtete der "Kurier". Friedrich Köhl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, bestätigte den Fall.

Laut dem Artikel sollen die Verdächtigen, von denen zwei in Untersuchungshaft sitzen und vier auf freiem Fuß sind, die Flüchtlinge an den Pass- und Sicherheitskontrollen vorbeigeschmuggelt haben. Dadurch soll ihnen die illegale Einreise in die USA und nach Großbritannien ermöglicht worden sein.

Tickets ausgetauscht

Die Sicherheitsmitarbeiter haben im Auftrag der AUA zusätzliche Ausreisekontrollen durchgeführt. Auf die Namen von Freunden und Bekannten sollen sie Flugtickets gelöst haben, diese Personen am Abreisetag einchecken und durch die Sicherheitskontrollen gehen lassen. Im Flughafengebäude warteten dann die Flüchtlinge, es wurden die Tickets ausgetauscht, berichtete der "Kurier". So gelangten die Personen dann unbemerkt an Bord der Flugzeuge. Laut dem Zeitungsbericht sollen die Schlepper zwischen 7.000 und 9.000 Euro pro Person kassiert haben - in zumindest elf Fällen.

Fall seit drei Monaten anhängig

Die Staatsanwaltschaft Korneuburg ermittelt seit drei Monaten in dem Fall. Der Akt sei seit 24. Februar anhängig, sagte Sprecher Friedrich Köhl am Dienstag. G4S teilte indes mit, dass "ein einzelner Mitarbeiter" des Unternehmens in die Schlepperbande involviert gewesen sei.

Die Verdächtigen sollen - gegen Entgelt - "Reisende an Sicherheitskontrollen vorbeigeschleust haben". Das sei ihnen "aufgrund ihrer dienstlichen Stellung möglich" gewesen, sagte Köhl. Über zwei der Beschuldigten sei "Ende Februar/Anfang März" die U-Haft verhängt, vier weitere seien angezeigt worden.

"Fristlos entlassen"

Der betroffene Mitarbeiter sei "sofort fristlos entlassen" worden, teilte G4S Österreich am Dienstag in einer Aussendung mit. Das Sicherheitsunternehmen habe in der Observationsphase uneingeschränkt mit der Kriminalpolizei zusammengearbeitet, um alle Beteiligten auszuforschen und zu überführen. G4S werde sich dem laufenden Verfahren gegen den entlassenen Mitarbeiter als Privatbeteiligter anschließen.

Die strengen Sicherheitskontrollen am Flughafen Wien seien "zu keinem Zeitpunkt geschwächt" gewesen, hieß es in der Aussendung weiter. "Die Schlepperbande war unter anderem bei einer nachgelagerten Dokumentenkontrolle aktiv, die für einzelne Flugdestinationen zusätzlich vorgeschrieben ist. Das Schleppen von Flüchtlingen wurde möglich, weil die Bande (deren Mitglieder bei unterschiedlichen Unternehmen beschäftigt waren) untereinander persönliche Zutrittsberechtigungskarten austauschte."

Vier-Augen-Prinzip

An Konsequenzen aus dem Fall nannte G4S neben der fristlosen Entlassung des Mitarbeiters im März auch eine genaue Analyse des gesamten Prozesses des Dokumenten-Checks am Flughafen Wien. "Ab sofort gilt bei der Überprüfung der Reisedokumente ein Vier-Augen-Prinzip." Außerdem seien die für Mitarbeiter auf dem Flughafen geltenden strengen Einstellungsüberprüfungen "noch einmal verschärft" worden. (APA, 25.5.2015)

  • Die Flüchtlinge wurden an den Pass- und Sicherheitskontrollen vorbeigeschmuggelt.
    foto: apa/helmut fohringer

    Die Flüchtlinge wurden an den Pass- und Sicherheitskontrollen vorbeigeschmuggelt.

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