Studie: Risikopuffer für Banken kontraproduktiv

26. Mai 2015, 07:00
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Österreichische Banken bringen sich gegen schärfere Kapitalvorschriften wegen Osteuropa in Stellung

Wien - Die Wirtschaftskammer hat sich mit einem Gutachten von Ex-IHS-Chef Christian Keuschnigg gewappnet, um die Einführung eines geplanten zusätzlichen Kapitalpuffers zu verhindern. Ein zusätzliches Polster von ein bis drei Prozent der risikogewichteten Aktiva für elf Geldinstitute ab 2016 wird vom Finanzmarktstabilitätsgremium bestehend aus Aufsicht, Fiskalrat und Finanzministerium als probates Mittel gesehen, um die Widerstandsfähigkeit des Kreditapparats zu erhöhen.

Die Regulatoren begründen dies mit dem hohen Osteuroparisiko, der enormen Größe des Bankensektors und der schwachen Eigentümerstruktur, die rasche Rekapitalisierungen im Krisenfall erschwere. Die Rede ist davon, dass bis zu zwei Prozentpunkte an zusätzlichem Kapital dem Osteuropa-Exposure und bis zu ein Prozentpunkt den Eigentümerstrukturen Rechnung tragen sollen.

Systemrisikopuffer

Es geht dabei um einen sogenannten Systemrisikopuffer, den EU-Mitgliedsstaaten im eigenen Ermessen den Banken abverlangen können. Die Institute müssten dann bis zu 12,5 Prozent an hartem Kernkapital vorhalten. Der Kreditapparat kommt zwar bereits auf eine Kernkapitalquote von zuletzt 11,8 Prozent, allerdings treten in mehreren Stufen Neuerungen nach dem Kapitalregime Basel III in Kraft, nach denen einzelne Kapitalbestandteile nicht mehr oder nur noch teilweise anerkannt werden.

Keuschnigg und zwei Kollegen von der Universität St. Gallen wenden im Auftrag der Bundessparte Banken und Versicherungen ein, dass sich die Lage in Osteuropa aus Sicht der Geldinstitute stabilisiert habe. Die Aktivitäten vor Ort erfolgten weitestgehend durch regionale Tochterbanken mit eigener Rechtsform und beschränkter Haftung. Das Risiko bestehe somit vor allem in "Abschreibungen der Beteiligungswerte sowie in ausfallenden Dividendenzahlungen", heißt es in der Untersuchung. Da die unter Basel III bekannten Kapitalvorschriften auch in Osteuropa gelten, müssten die Kredite vor Ort mit entsprechendem Eigenkapital unterlegt werden. "Das Ostengagement steigert damit auch die konsolidierte, konzernweite Eigenkapitalquote der österreichischen Banken", schreiben Keuschnigg und seine Kollegen Alexander Gruber und Michael Kogler.

Rückzug verhindern

Sollten die Kapitalanforderungen wegen des CEE-Engagements erhöht werden, "dann kann dies die Banken in einzelnen Fällen zur teilweisen Aufgabe des Geschäfts zwingen", lautet ihre Einschätzung. Die österreichische Wirtschaftspolitik sollte keine neue Wiener Initiative provozieren, bei der Österreich nach Ausbruch der Krise 2009 gemeinsam mit multilateralen Organisationen vereinbart hatte, einen abrupten Rückzug der Banken aus Osteuropa zu verhindern.

Die Autoren verhehlen nicht, dass einige Staaten, bereits mit der Einführung von Systemrisikopuffern vorgeprescht sind, etwa die Schweiz Allerdings sei eine Nachahmung dieser Regelung nicht empfehlenswert, da diese mit UBS und Credit Suisse auf zwei Institute abziele, die bedeutend größer als die heimischen Banken seien.

Als weiteres Argument gegen zusätzliche Kapitalanforderungen erachtet Keuschnigg die Bankenunion, die Gläubigern bei Schieflagen einen Beitrag abverlange und die Banken zur Dotierung eines Abwicklungsfonds verpflichte. In Verbindung mit Basel III und der Stabilitätsabgabe (Bankensteuer) seien den Instituten bereits hohe Kosten aufgebürdet worden. Keuschniggs Sukkus: "Mit der Entscheidung zur Bankenunion verliert die Stabilitätsabgabe ihre Existenzberechtigung." Die Untersuchung der Banksparte wurde an das Finanzministerium mit der Bitte um Berücksichtigung übermittelt. (Andreas Schnauder, 26.5.2015)

  • Ein Gutachten von Ex-IHS-Chef Christian Keuschnigg soll die Banken vor der Einführung eines zusätzlichen Kapitalpuffers retten.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Ein Gutachten von Ex-IHS-Chef Christian Keuschnigg soll die Banken vor der Einführung eines zusätzlichen Kapitalpuffers retten.

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