US-Verteidigungsminister: Irakern fehlt Kampfwille

25. Mai 2015, 08:20
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Carter: "Verteidiger Ramadis waren IS-Kämpfern nicht zahlenmäßigen unterlegen - sie wollten nicht kämpfen"

Washington/Bagdad - Nach Darstellung von US-Verteidigungsminister Ashton Carter haben die irakischen Verteidiger der von der Terrormiliz IS eroberten Stadt Ramadi keinen Kampfeswillen gezeigt. Die Schwäche der irakischen Armee sei einer der Hauptgründe, warum die Stadt in die Hände des Islamischen Staates (IS) gefallen sei, erklärte Carter am Sonntag in einem Interview mit dem US-Sender CNN.

Die Verteidiger Ramadis seien dem IS keineswegs zahlenmäßig unterlegen gewesen, sie hätten einfach keinen Willen gezeigt, zu kämpfen und sich zurückgezogen, kritisierte Carter. "Das sagt mir, und ich glaube auch den meisten von uns, dass es ein Problem mit dem Willen der Iraker gibt, den IS zu bekämpfen und sich selbst zu verteidigen", so der Minister.

"Wir können sie trainieren und sie ausrüsten, aber wir können ihnen natürlich nicht den Willen geben, zu kämpfen", sagte Carter. Er hoffe aber, dass die irakische Armee Kampfeswillen entwickle, wenn die USA sie unterstütze und ihr etwas Zeit gebe, "denn nur wenn sie den IS bekämpft, kann er dauerhaft besiegt werden".

Regierungschef kündigte Rückeroberung an

Der irakische Regierungschef Haidar al-Abadi entgegnete darauf, dass Carter wohl "mit falschen Informationen gefüttert" worden sei. Er kündigte die Rückeroberung von Ramadi "innerhalb von Tagen" an, berichtete der Sender BBC.

Kommentatoren in Washington bezeichnen die Äußerungen Carters als die bisher härteste öffentliche Kritik an den irakischen Truppen. Zwar kritisieren US-Regierungsvertreter immer wieder den Zustand der irakischen Armee, doch meist hinter vorgehaltener Hand.

Zuletzt eroberten IS-Extremistn einen strategisch wichtigen syrisch-irakischen Grenzübergang und kontrolliert nun weite Teile der Route zwischen Bagdad und Damaskus. Die irakischen Sicherheitskräfte zogen sich von dem Posten Al-Walid komplett zurück, wie das irakische Militär am Sonntag in Bagdad erklärte.

Den Übergang Al-Tanf auf der syrischen Seite der Grenze hatten die Extremisten bereits vor drei Tagen erobert, nachdem sie zuvor die antike Wüstenstadt Palmyra und andere Gebiete der Provinz Homs unter ihre Kontrolle gebracht hatte.

Die vollständige Kontrolle über die irakisch-syrische Grenze an dieser Stelle ist von enormer strategischer Bedeutung. In Friedenszeiten war Al-Walid/Al-Tanf der Grenzübergang für Reisende auf der direkten Strecke zwischen Bagdad und Damaskus. Nun kann der IS über diese Strecke beliebig Soldaten und Waffen zwischen der westirakischen Provinz Anbar und der syrischen Provinz Homs verschieben. (APA, 25.5.2015)

  • Der US-Verteidigungsminister kritisiert das Engagement der Iraker im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS).
    foto: ap photo/manuel balce ceneta, file

    Der US-Verteidigungsminister kritisiert das Engagement der Iraker im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS).

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