Der schwarze Ritter

22. Mai 2015, 19:00
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Ein Bildband strickt an der John-Wayne-Ikonografie

Es gibt, wie Jonathan Lethem in einem Essay schreibt, eine Reihe guter Gründe, sich den Schauspieler John Wayne vom Leib zu halten, etwa indem man über seinen brachialen Republikanismus, seine Kriegshetzerei oder seine Einstellung gegenüber Indianern und Sklaverei nachdenkt. Interessant hingegen wird die Figur John Waynes, der die Rolle des soldatischen, strengen, aber gerechten Ordnungshüters auch im Leben gern gab, als Archetyp und Verkörperung amerikanischer Ideale ("Die Guten sind immer wir") und Ängste, primär vor dem Schwachsein.

"Ich habe in mehr Schlachten gekämpft als Napoleon und in mehr Kriegen als Deutschland. Ich habe Bataan erobert, Fort Apache und Maureen O' Hara" meinte der Mann, der die Heimatfront bevorzugte und nie in der Armee Dienst tat, 1974 in einer Rede vor der National Football League.

Football war für den am 26. Mai 1907 in Iowa als Marion Robert Morrison geborenen John Wayne, der später seinen zweiten Namen Robert an den jüngeren Bruder, das neue Lieblingskind der Mutter, abgeben musste, zunächst ein Ausweg gewesen - bis zu einer Beinverletzung. Wayne, den sie nach dem Familienhund "Duke" riefen, begann als Requisiteur bei Fox und wurde von John Ford entdeckt, der Rest ist Filmgeschichte.

Neben Rollen in Machwerken wie Der Barbar und die Geisha hat Wayne auch in Western wie Der schwarze Falke oder Der Mann, der Liberty Valance erschoss gespielt, die nichts von ihrer Wucht verloren haben. Er spielt darin Figuren, für die es zu spät ist, Typen, für die es keine Erlösung mehr gibt, die aber die Möglichkeit nutzen, anderen - oft Frauen - einen Neuanfang zu ermöglichen. Diese schwarzen Ritter, die auf dem Lebensweg die weiße Rüstung der Naivität und die rote des Zorns gegen den schwarzen Harnisch der Desillusionierung getauscht haben, sehen keinen Grund, über die Ursachen ihrer Verbitterungen zu reden. Wenn, sprechen andere darüber.

All das spielt im Band John Wayne leider kaum eine Rolle. Vielmehr wird mit diesem großformatigen Buch, das erstmals Dokumente und Bilder "aus dem Leben einer Legende" zugänglich macht, eine Ikonografie weitergestrickt, die den 1979 verstorbenen Schauspieler auf genau ein Bild festlegt. Es ist nur zum Teil das richtige. (Stefan Gmünder, 22.5.2015)

Michael Goldman (Hg.), "John Wayne. Bilder und Dokumente aus dem Leben einer Legende". Deutsch von Werner Kügler. € 41,10 / 160 Seiten. Knesebeck, München 2014

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    cover: knesbeck
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