Meryl Haas: Grüne Kandidatin will eine linke ÖH-Symbiose

Kopf des Tages22. Mai 2015, 18:49
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Die wohl schönste Erfahrung sei es, wenn man abtaucht und unter Wasser Meeressymbiosen beobachtet, sagt Meryl Haas, die Spitzenkandidatin der Grünen und Alternativen Studierenden (Gras) bei den Wahlen zur Österreichischen Hochschülerschaft. Dieses Erlebnis wurde nun getoppt: Ihre Fraktion überholte auf Bundesebene die sozialistischen Studierenden und die Fachschaftslisten und schaffte es auf Platz zwei im Studierendenparlament.

"Ich kann es noch gar nicht glauben", freut sich die 27-jährige Molekularbiologiestudentin: "Jetzt will ich auch Vorsitzende werden." Haas hat die besten Chancen auf den Chefsessel der ÖH - trotz des Wahlsiegs der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft. "Wir wollen weiterhin eine linke Koalition, die Arbeit hat in den letzten Jahren sehr gut funktioniert", sagt sie.

Nach ihrer Kindheit im oberösterreichischen Linz verschlug es Haas 2007 an die Vancouver Island University: "Ich bin sehr selbstständig aufgewachsen, nach der Matura wollte ich einfach weg." Zwei Jahre lebte und studierte Haas Biologie und Informatik in Kanada, wo sie sich selbst beweisen wollte, dass sie "allein im Leben stehen kann". Von ihrem Auslandsaufenthalt nahm Haas vor allem zwei Dinge mit: "Molekulare Biologie ist interessanter als Informatik." Und: "Nicht alle Menschen, die studieren wollen, haben einen Zugang zu Bildung." Die Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren an der kanadischen Uni ließen die Studentin nach ihrer Rückkehr aktiv werden und für einen freien Hochschulzugang kämpfen. "Ich will, dass alle dieselben Chancen bekommen", sagt sie.

Ihre politische Karriere begann Haas vor fünf Jahren bei den Basisgruppen an der Uni Wien. Sie arbeitete in der Studienvertretung und als Unabhängige in der lokalen Universitätsvertretung. In der aktuellen ÖH-Bundesvertretung ist die Schwester eines kleinen Bruders für die Gras im bildungspolitischen Referat. "Im Herbst kommt die Novelle des Universitätsgesetzes, da werden wir einiges zu tun haben", sagt Haas. Sonst will sie die ÖH für Studierende wieder sichtbar machen, bei einer Wahlbeteiligung von unter 25 Prozent ein wichtiger Schwerpunkt.

Erst muss Haas in die Koalitionsverhandlungen gehen. Dann kann sie sich ihrer Lieblingsbeschäftigung widmen. "Im Wahlkampf hatte ich kaum Zeit zum Lesen", sagt sie. Agatha-Christie-Krimis haben es ihr besonders angetan: "Ich mag das Detektivspiel bei Miss Marple." (Oona Kroisleitner, 22.5.2015)

  • Meryl Haas hat die besten Chancen auf den ÖH-Vorsitz.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Meryl Haas hat die besten Chancen auf den ÖH-Vorsitz.

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