"LGBTI"-Community skeptisch über "Schub" durch ESC

22. Mai 2015, 17:41
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Vernetzungstreffen von Organisationen für Lesben, Schwule, Trangender etc. - Kritik an Politik: "Wenn's um konkrete Dinge geht, sagt man Nein."

Wien – Der Song Contest hat einen wachsenden Stellenwert bei der und durch die internationale LGBTI-Community erhalten. "LGBTI" steht für kurz für "Lesbian, Gay, Bi-, Trans-, Intersexual". Vertreter lokaler Organisationen zeigten sich am Freitag bei einem Treffen in Wien eher skeptisch, was größere positive Auswirkungen auf Toleranz und Anerkennung in der täglichen Praxis durch den ESC-Hype angeht.

Hans Fruhmann von der Vereinigung AGPro ("Austrian Gay Professionals") meinte beispielsweise im APA-Gespräch, dass die Praxis in Österreich politischen Bekenntnissen widerspreche: "Es ist schon ärgerlich: Diese Woche ist die Anti-Diskriminierungs-Novelle von der ÖVP blockiert worden - während wenige Tage zuvor eine ganze Reihe ÖVP-Minister am Life Ball waren und sich quasi ein liberales 'Mäntelchen' umgehängt hatte. Wenn's dann um konkrete Dinge geht, sagt man Nein."

"Impact" durch Song Contest

Baxter-Manager Albert Lauss hoffte dennoch auf einen "Impact" durch den Song Contest: "Ich glaube schon, dass das einen gewissen Schub bringt. Das Bewusstsein für Lesben, Schwule, Transgender etc. ist in den vergangenen Jahren schon etwas größer, unsere Gruppierung 'sichtbarer' geworden." Lauss gehört dem Executiv-Team des "Baxter Equality Networks" (BEN) an: "Der ESC ist sicher ein weiterer Schritt. Dinge, die da angestoßen werden, entwickeln sich weiter, aber natürlich nicht von einem Tag auf den anderen."

Deutlich defensiver die Einschätzung von Markus Pusnik von "Ausgesprochen", einer Vereinigung von lesbischen und schwulen Lehrerinnen und Lehrern: "Da ist der Life Ball und der ESC - jedes Jahr im Mai und Juni könnte man das Thema 'LGBTI' in die Schule bringen. Aber es kommt offiziell einfach nicht vor." Der Wiener Volksschullehrer: "Dabei fragen die Kinder natürlich danach, klar, wenn rundherum überall ESC-Sujets, Conchita Wurst usw. plakatiert sind."

Nicht Unterrichtsthema

Von den meisten Lehrern würde das Thema aus dem Unterricht ausgespart, teils weil es eben keinen "Auftrag" dazu gebe, teils weil man mit administrativen Tätigkeiten so zugedeckt würde, dass kaum Möglichkeiten blieben, Zeit dafür neben dem offiziellen Lehrplan unterzubringen. Pusnik: "Wenn überhaupt, dann passiert nur etwas durch persönliches Engagement von Einzelnen."

Das Vernetzungstreffen der "LGBTI"-Gruppen wurde von der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (WASt) organisiert und fand in den Räumlichkeiten der Wirtschaftsagentur Wien statt. (APA, 22.5.2015)

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