Grüne für 365-Euro-Ticket in allen Bundesländern

26. Mai 2015, 05:30
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In Wien hat sich die – hier von den Grünen durchgesetzte – Jahresnetzkarte um 365 Euro bewährt. Nun soll dasselbe Angebot bundesweit gelten

Wien – Die Bundesregierung hat mehrere Anläufe unternommen, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel billiger zu machen. Jedoch: Weder das "Österreich-Ticket", das von der Regierung Gusenbauer/Molterer (in der der jetzige Bundeskanzler Werner Faymann Verkehrsminister war) geplant wurde, noch das für die aktuelle Gesetzgebungsperiode vorgesehene "Top-Jugendticket" sind umgesetzt worden.

Nun machen die Grünen Druck – nicht zufällig vor der Steiermark-Wahl. In der Steiermark ist der öffentliche Verkehr nämlich besonders teuer. In Wien dagegen hat sich die – hier von den Grünen durchgesetzte – Jahresnetzkarte um 365 Euro bewährt.

Alle Länder zum Preis der Wiener Karte

Daher will die Öko-Partei erreichen, dass dasselbe Angebot in allen Ländern gemacht wird. Dies würde Pendlern mehr bringen als die Steuerreform, argumentiert der Grünen-Verkehrssprecher Georg Willi.

Sein Rechenbeispiel: Eine Pendlerin, die täglich öffentlich aus Jennersdorf im Burgenland nach Wien zur Arbeit pendelt und monatlich 1800 Euro brutto verdient, wird durch die Steuertarifreform der Regierung um 803 Euro im Jahr entlastet – durch die Öffi-Tarifreform der Grünen würde sie sich aber beim Fahrpreis 1603 Euro ersparen. Denn die derzeitigen Tarife bedeuten für die Strecke jährliche Fahrtkosten von 2698 Euro. Würde für alle Bundesländer – wie derzeit nur für Wien und Vorarlberg Ländernetzkarten um 365 Euro angeboten, müsste so eine Pendlerin nur 1095 Euro zahlen.

Drei Länderzonen ergeben eine Bundesnetzkarte

Dabei hätte sie noch einen weiteren Vorteil: Das Tarifmodell der Grünen sieht nämlich vor, dass man mit dem Bezahlen von drei Ländernetzkarten automatisch eine Bundesnetzkarte erhält, mit der man auch in anderen Bundesländern (also etwa im Urlaub) alle Öffis benützen dürfte. Für "Menschen in besonderen Lebenslagen" – Schüler, Lehrlinge, Studierende, Präsenzdiener und andere Menschen mit so niedrigem Einkommen, dass keine Einkommenssteuer anfällt (1190 € brutto pro Monat) – soll das Fahren in einem Bundesland nur 100 Euro (im ganzen Bundesgebiet dann 300 Euro) pro Jahr kosten.

Derzeit verrechnet etwa der steirische Verkehrsverbund für ein in allen Öffis der Steiermark gültiges Jahresticket 2043 Euro, ab 1. Juli sogar 2061 Euro. Die ÖBB verlangt für ihre bundesweit in allen Zügen geltende Österreichcard Classic 1679 Euro im Jahr.

Gegenfinanzierung durch Straßenverkehr

Als Gegenfinanzierung – die Grünen nehmen Kosten von 1,1 Milliarden Euro an – wird vorgeschlagen, 500 Millionen Euro an umweltschädlichen Subventionen (etwa für Auto- und Flugverkehr und deren Flächen) zu streichen, 400 Millionen sollen aus dem kleinen Pendlerpauschale kommen und 200 Millionen aus der Dividende der Asfinag.

Willi: "Öffis und Straßen auszubauen geht sich finanziell nicht aus. Die Zukunft gehört eindeutig den Öffis, daher investieren wir Grüne in Bahn und Bus. So entlasten wir die Umwelt und die Geldtaschen und bringen die Menschen stressfrei und sicher ans Ziel."

Auch Nahpendler würden sparen

Selbst für Nahpendler, die derzeit etwa aus Angern an der March oder aus Leobendorf nach Wien pendeln, ergäbe sich eine Verbilligung: Derzeit zahlen sie für drei Außenzonen im Verkehrsverbund Ostregion 849 Euro plus 365 Euro für die Wiennetzkarte, insgesamt also 1214 Euro. Künftig brauchte man nur 730 Euro für zwei Ländernetzkarten, selbst die Bundesnetzkarte wäre billiger. Noch mehr würde sich ein Pendler auf der Strecke Wörgl–Innsbruck (derzeit 1042 Euro) ersparen, wenn er mit einer Ländernetzkarte Tirol um 365 Euro unterwegs wäre. (Conrad Seidl 26.5.2015)

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