Ernüchternde Sinnsuche

22. Mai 2015, 15:51
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Das Innsbrucker Foto Kunst Stadtforum stellt zum Thema "Einfach leben" Arbeiten von acht internationalen Fotokünstlern aus

Innsbruck - Die neoliberale Leistungs- und rabiate Konsumgesellschaft des Westens hat den Menschen zwar Wohlstand beschert, der Preis allerdings ist hoch. So lastet auf jedem Einzelnen der Druck höchster Flexibilität und Effizienz, um mithalten zu können.

Menschen arbeiten bisweilen am Rande der Selbstausbeutung bis hin zur totalen Erschöpfung. Doch es gibt auch jene, die sich diesen Zwängen nicht stellen, der Mainstreamgesellschaft den Rücken kehren und ihr Leben in Abgeschiedenheit nach eigenen Regeln gestalten. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, die Lebensentwürfe vielfältig. Oft ist es nur ein temporäres Ausbrechen, manche entziehen sich für immer.

Die aktuelle Ausstellung im Fokus, Einfach leben - Vom Luxus der Einfachheit, versammelt acht Positionen von internationalen Fotokünstlern, die Lebensformen von Sinnsuchenden dokumentiert haben: Julia Zimmermann (geb. 1975) beispielsweise zeigt in ihrer Arbeit Steh auf und geh! teils ernüchternde Eindrücke vom völlig überlaufenen Pilgerweg nach Santiago de Compostela.

Eremiten und Außenseiter

Alex Soth (geb. 1969) ist für sein Broken Manual durch die USA gereist und hat Eremiten und Ausreißer aufgespürt. Entstanden sind Porträts von Männern, die sich gänzlich in die Einsamkeit zurückgezogen haben, deren Blick beim Betrachter nicht mehr ankommt.

Erschütternde Einblicke in die hermetisch abgeschottete kanadische Gemeinde der "Hutterer" gewährt Timm Rautert (geb. 1941). Fernab äußerer Einflüsse leben die christlichen Einwanderer aus Europa ein rückwärts gewandtes Leben wie im 16. Jahrhundert. Züchtigung von Kindern mit dem Rohrstock wird noch hemmungslos vollzogen, auch wenn eine Kamera zugegen ist.

Und Renate Niebler (geb. 1956) dokumentiert in der eindrücklichen Schwarz-Weiß-Serie Ein Leben im Kloster das asketische Leben der "Unbeschuhten Karmelitinnen". Die Ordensschwestern des Sühneklosters leisten auf dem Gelände des ehemaligen KZ Dachau Abbitte für die Gräuel des Nationalsozialismus. (Dorothea Nikolussi-Salzer, 22.5.2015)

  • US-Fotokünstler Lucas Foglia ist mit Arbeiten aus dem 2006 bis 2010 entstandenen Werkzyklus "A Natural Order" vertreten. Hier: "Homeschooling Chalkboard, Tennessee 2008".
    foto: lucas foglia

    US-Fotokünstler Lucas Foglia ist mit Arbeiten aus dem 2006 bis 2010 entstandenen Werkzyklus "A Natural Order" vertreten. Hier: "Homeschooling Chalkboard, Tennessee 2008".

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