Österreich ist kein Hort der Ungleichheit

Blog23. Mai 2015, 15:00
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Die OECD-Zahlen über die Vermögensverteilung werden durch Mieten, Pensionen und eine Familie verzerrt

Der aktuelle Sozialbericht der OECD, der weltweit eine wachsende Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen feststellt, ist besorgniserregend. Und Österreich ist da keine Ausnahme: Auch hierzulande geht die Schere auseinander.

Aber die Aussage der OECD, wonach die Vermögen in Österreich besonders ungleich verteilt sind und nur die USA und die Niederlande eine größere Kluft aufweisen, muss hinterfragt werden. Die Zahlen mögen stimmen, aber sie spiegeln nicht die Realität wieder. Ja, Vermögen sind in Österreich bei einer kleinen Elite konzentriert, aber nicht mehr als in anderen europäischen Ländern.

Große Mittel- und kleinere Unterschicht

Dafür gibt es folgende Begründungen:

Österreich ist ein Land mit immer noch einer großen Mittel- und einer eher kleinen Unterschicht. Die hiesige Gesellschaft gibt nicht den Eindruck, finanziell so polarisiert zu sein wie die USA oder auch andere europäische Staaten.

Viele große Vermögen wurden in Österreich durch die Weltwirtschaftskrise, die Arisierungen und Vertreibungen der jüdischen Bevölkerung, und die Zerstörungen des 2. Weltkriegs vernichtet.

Wenig Einkommensungleichheit

Und wie die OECD zeigt, ist die Ungleichheit beim Einkommen im internationalen Vergleich gering. Doch wenn es wenige extrem hohe Einkommen gibt, ist auch ein massiver Vermögensaufbau kaum möglich.

Ja, die zu geringen Vermögenssteuern tragen zur Ungleichheit bei. Aber auch das kann ein extremes Ungleichgewicht nicht erklären. Es gibt keine Grund anzunehmen, dass hierzulande die Reichen reicher sind als anderswo.

Großzügiges Pensionssystem

Aber es gibt Sonderfaktoren, die von der OECD nicht erfasst werden.

Der erste ist der Sozialstaat und vor allem das im internationalen Vergleich großzügige Pensionssystem. Bei einer Ersatzquote von 80 Prozent müssen die meisten österreichischen Arbeitnehmer nicht oder nur wenig vorsorgen. Statt zu sparen können sie ihr Gehalt ausgeben, dadurch halten sie am Ende auch weniger Finanzvermögen.

Das gilt jedoch nicht für die Besserverdiener: Sie müssen ihr Leben lang Geld beiseite legen, wenn sie ihren Lebensstandard in der Pension halten wollen.

Mietwohnung statt Eigenheim

Auch die geringe Eigenheimquote verzerrt die Statistik. Die Mehrheit der Österreicher wohnt in oft günstigen Mietwohnungen mit unbefristeten Verträgen. Sie brauchen keinen Immobilienbesitz, um bis zum Lebensende ein Dach über den Kopf zu haben.

Als Folge haben sie zwar wenig oder kein Vermögen, aber deshalb nicht einen geringeren Lebensstandard als etwa Familien in Südeuropa, die Eigenheime haben müssen - auch wenn sie deshalb nicht wohlhabend sind.

Der Reichtum der Porsche-Piech-Familie

Und schließlich könnte eine einzige Familie die Vermögensverteilung beeinflussen. An der Spitze der reichsten Österreicher steht laut dem aktuellen Trend-Ranking die Familie Porsche-Piech mit einem Vermögen von 65 Milliarden Euro, neun Mal so viel wie die Nummer zwei, Dietrich Mateschitz.

Selbst wenn sich das Geld der VW-Hauptaktionäre auf zahlreiche Familienmitglieder verteilt, zieht ein solcher Schatz in der Hand von wenigen die Verteilung auseinander. Denn das gesamte Privatvermögen wird in Österreich auf etwa 1200 Milliarden Euro geschätzt . Fast vier Prozent davon gehört den Porsches und Piechs, die wirtschaftlich gesehen eher ein Teil von Deutschland als von Österreich sind.

Gegensteuern ist angesagt

All das bedeutet nicht, dass Ungleichheit in Österreich kein Problem ist oder dass man nicht gegensteuern sollte, etwa durch die Einführung moderater Erbschaftssteuern, wie es mein Kollege Andreas Sator fordert. A

ber es gibt auch keinen Grund zur Panik: Im internationalen Vergleich ist Österreich immer noch ein relativ egalitäres Land. (Eric Frey, 22.5.2015)

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    foto: dpa
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